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Kritik: Mahana - Eine Maori-Saga (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Historiendrama "Mahana" wurde im Wettbewerb der Berlinale 2016 außer Konkurrenz gezeigt. Letzteres ist eine nur schwer nachvollziehbare Entscheidung, da die äußerst bewegende Familiengeschichte zwar sehr klassisch, aber dabei äußerst gelungen ist. Die Erzählung um zwei miteinander verfeindete Maori-Familien basiert auf einem Roman des "Whale Rider"-Autors Witi Ihimaera und wurde von dem Neuseeländer Lee Tamahori für die große Leinwand adaptiert. Man sieht dem Film an, dass Tamahori lange Zeit in Hollywood gearbeitet hat. "Mahana" zeigt das schlichte, saubere Handwerk und die Emotionalität analoger historischer Filme aus der Traumfabrik. Doch im Gegensatz zu vielen Hollywood-Epen verzichtet der Filmemacher dankbarer Weise auf jedes überzogene Pathos und setzt stattdessen auf einen sehr bodenständig-realistischen Grundton, der die Identifikation des Zuschauers mit den Protagonisten stark fördert.

Die neuseeländischen Ureinwohner werden als zwischen zwei Welten lebende Menschen gezeigt, die einerseits gut in die Kultur der europäischstämmigen Einwanderer integriert sind, die zugleich jedoch eine starke eigene Kultur besitzen, welche letzteren weitestgehend verschlossen bleibt. So singt die Oma inmitten der Honigbienen der Familie auf Maori ein Lied, in dem sie den kleinen Honigsammlern verspricht, für sie wichtige Pflanzen auf der Wiese unangetastet zu lassen, wofür im Gegenzug die Bienen "den köstlichsten Honig der Welt" heimbringen. Wenn ein Maori einem anderen tiefen Respekt bekundet, so reibt er seine Nase an der des anderen und verzieht dazu zur Bekräftigung noch den Mund zu einer Schnute. Als Zeichen der Feinschaft werden dahingegen wilde Grimassen mit weit aufgerissenen Augen und weit herausgestreckter Zunge geschnitten.

Aber die eigentliche Konfliktlinie verläuft in "Mahana" weniger Zwischen der traditionellen Maori-Kultur und der Kultur der westlichen Kolonialherren, sondern zwischen den alten verkrusteten patriarchalischen Familienstrukturen und deren Infragestellung durch die Jüngeren innerhalb des Mahana-Clans. Dabei zeichnet sich nicht nur der aus "Once Were Warriors" bekannte Temuera Morrison in der Rolle des alten Familienoberhaupts durch ein starkes Charisma aus. Ähnlich eindringlich sind die Präsenz und das Auftreten sämtlicher weiterer Maori-Protagonisten, allen voran Akuhata Keefe in der Rolle des jungen, klugen Simeon. Im Vergleich zu der Eindringlichkeit dieser Charaktere, bleiben die europäischstämmigen neuen Herren im Lande im wahrsten Sinne des Wortes eher blass.

Fazit: "Mahana" ist eine schlichte und zugleich außerordentlich faszinierende Familiengeschichte um den ewigen Kampf zwischen alten Strukturen und deren Infragestellung durch die Jüngeren am Beispiel zweier Maori-Familien.




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