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Stadtlandliebe
Stadtlandliebe
© Warner Bros.

Kritik: Stadtlandliebe (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Stadtlandliebe" ist der neue Film vom Rosenheimer Regisseur Marco Kreuzpaintner, der zu den wandlungsfähigsten deutschen Filmschaffenden zählt. Seinen großen Durchbruch feierte er als Drehbuchautor des gefeierten Katastrophendramas "Die Wolke" (2006). Im Jahr darauf drehte er mit internationalen Stars wie Kevin Kline das von Zwangsprostitution und moderner Sklaverei handelnde Drama "Trade". Nachdem er in den letzten Jahren immer wieder auch fürs TV arbeitete, versuchte er sich schon 2014 im Genre der Komödie ("Coming in"), diesem bleibt er mit "Stadtlandliebe" nun treu. Für seinen neuen Film konnte der 39-jährige eine ganze Reihe an prominenten deutschen Darsteller auch für die Nebenrollen besetzen, u.a. Anna Thalbach, Ludger Pistor sowie Antoine Monot jr.

Schon seit längerem hat der um sich greifende Öko-Trend, der Hang zu veganer Ernährung und alternativen, unkonventionellen Lebensmodellen bzw. –entwürfen auch die Deutschen fest im Griff. Diesem Aspekt widmet sich Regisseur Kreuzpaintner nun auch in seinem neuen Film, in dem ein hippes Pärchen mit den Realitäten des Landlebens konfrontiert wird. In Kloppendorf treffen zwei Großstädter auf die Verschroben- und Eigenheiten einer verschworenen Dorfgemeinschaft – ein innerdeutscher Clash der Kulturen wenn man so will. Dass die Erwartungen der Beiden schnell enttäuscht werden ist zwar ebenso vorhersehbar wie die Probleme in der neuen Unterkunft, einem alten, renovierungsbedürftigen Fachwerkhaus. Hier gelingen Kreuzpaintner dennoch einige gelungene, herrlich schräge Momente und Szenen, bei denen man sich das Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Die Figur der brummigen, ebenso stämmigen wie herrisch auftretenden Sprechstundenhilfe Gertie (Gisa Flake), die wie selbstverständlich die Patienten gleich selbst behandelt, ist witzig und abgedreht. Ebenso Uwe Ochsenknecht als "überbesorgter" Dorf-Vorsteher. Darüber hinaus überrascht der Film mit unerwarteten, "queeren" Flirts auf dem Land und unerwarteten Strip-Einlagen im Kuhstall. Dass es alles in allem aber nicht zu einem überzeugenden Film-Erlebnis langt, liegt vor allem an der überraschungsarmen Story-Entwicklung, die einsetzt, die mit der ersten handfesten Beziehungs-Krise Einzug hält: dann begibt sich der Film ins Fahrwasser seichter, plumper Klischee-Beziehungskomödien, die von bindungsscheuen Männern und sich nach einer Familie sehnenden Frauen handeln. So oder so ähnlich sieht man dieses Konstrukt bzw. ebendiese Problemstellung fast wöchentlich in zweitklassigen, klischeetriefenden Sat.1-Kömodien.

Klischeetriefend und zweitklassig sind leider auch die (insgesamt zu witzlosen, unbeholfenen) Dialoge und das dröge, da dozierend und allzu aufklärerisch gestaltete Finale.

Fazit: Trotz gutem, witzigem Beginn und einiger gelungener Figuren und Einfälle, eine vorhersehbare, klischeeüberladene und daher allerhöchstens durchwachsene Beziehungskomödie.




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