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Kritik: Argentina (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der von Surrealisten wie Luis Bunuel geprägte Carlos Saura gilt als Altmeister des spanischen Films. Waren seine frühen, weniger bekannten Filme vor allem von neorealistischen Elementen geprägt, machte er sich ab den 60er-Jahren als politischer Filmer einen Namen. Seine Franco- und Regime-kritischen Werke erregten Aufsehen und verschafften dem Absolventen der staatlichen spanischen Filmhochschule viele Sympathien. Zu seinen bekanntesten Filmen, in denen er sich der Kunst anderer widmet, zählen "Carmen" (1983) sowie die Maler-Biographie "Goya". Schon in früheren Filmen widmete sich der nimmermüde Regisseur klassischen, südamerikanischen Tänzen, so z.B. in seiner Tanz-Hommage "Tango" von 1998.

In einer Studiokulisse schafft Saura für seine facettenreichen, mit Leidenschaft und voller Esprit auftretenden Musiker und Sänger einen passenden Rahmen. Er verzichtet auf ablenkende, störende Equipments oder Requisiten und stellt ganz das Können der Protagonisten in den Mittelpunkt. Und von diesen gibt es im Film eine ganze Menge. Saura versammelte nicht nur das Who is Who der aktuellen Folklore-Szene vor der Kamera, sondern lässt sogar bereits verstorbene, für die Entwicklung der südamerikanischen Volksmusik entscheidende Künstler "auftreten": Mercedes Sosa, "die Schwarze", die mit ihrer politischen Stil- und Ausrichtung ab den 60er-Jahren der Musik neue Impulse gab. Oder Violeta Parra, eine der bekanntesten Sängerinnen in der Geschichte Chiles, die für die einnehmende Poesie in ihren Liedern bekannt war.

Mercedes Sosa lässt Saura quasi wiederauferstehen, indem sich eine fingierte Schulklasse Fotos und Bewegtbild-Aufnahmen aus frühen Zeiten ansieht. Damit gelingt dem Regisseur auch erfolgreich die Verquickung von Vergangenheit und Gegenwart, von Tradition und Moderne. Auch ganze Bands und Ballettgruppierungen haben kommen zum Zug und vollführen – oft nur vor einem atmosphärischen Sonnenaufgangs- oder Vollmond-Bild im Hintergrund – ihre sinnlichen Tänzen, womit sie auch ihre Verbundenheit mit den südamerikanischen Völkern ausdrücken: denn ebenso wie die Bewohner Argentiniens oder Chiles zeichnet sich die traditionelle Kunst dieser Länder durch Lebensfreude, Lust und die Verschmelzung von Vergangenem und Neuem aus.

Fazit: Sinnliche, leidenschaftliche Doku über die Vielfalt südamerikanischer und vor allem argentinischer Tänze und Musik, die sich ganz der Kunst der Protagonisten verschreibt und diese unaufgeregt in den Mittelpunkt rückt.





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