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Kaum öffne ich die Augen
Kaum öffne ich die Augen
© trigon-film

Kritik: Kaum öffne ich die Augen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Fünf Jahre nach der Arabischen Revolution erzählt die tunesische Filmemacherin Leyla Bouzid von den gesellschaftlichen Verhältnissen in ihrer Heimat zur damaligen Zeit sowie der Aufbruchstimmung, die sich 2010 entfaltete. Während ihre Story von einer jungen Frau, die sich selbstbewusst für ihre Rechte einsetzt, auf den ersten Blick etwas klischeehaft wirken mag, entpuppt sich "Kaum öffne ich die Augen" rasch als nuancierter und energiegeladener Film.

Neben der Regie zeigt sich die Kinodebütantin Bouzid auch für das Drehbuch verantwortlich und beweist hier großes Feingefühl: Fernab von Schwarzweißmalerei entwirft die Tunesierin nicht bloß glaubhafte, vielschichtige Figuren, sondern schafft zudem eine fesselnde Dramaturgie. Was als alltägliche Coming-of-Age Geschichte um die idealistische Heldin Farah beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem spannenden Gesellschaftsdrama, welches sich nur selten in Unstimmigkeiten verliert.

Der stimmungsvolle, mal melancholische, mal kämpferische Soundtrack von Khyam Allami sowie Sébastian Goepferts ("Blau ist eine warme Farbe", 2013) wunderbare Bilder sorgen für eine dichte Atmosphäre. Zusammen mit den starken Schauspielern entsteht so ein ebenso authentisch wie lebendig anmutender Filmkosmos, der um eine großartige Hauptdarstellerin kreist: Baya Medhaffer, die in "Kaum öffne ich die Augen" ihre erste große Rolle spielt, spielt die Protagonistin mit ansteckender Energie und Lebenslust. Vor allem ihrer Performance verdankt das ernste Drama seine Kraft sowie eine wohltuende Leichtigkeit.

Fazit: Leyla Bouzids starkes Regiedebüt erzählt auf ebenso authentische wie kraftvolle Weise von Engagement und gesellschaftlicher Aufbruchstimmung. Dabei überzeugt "Kaum öffne ich die Augen" nicht bloß durch sein nuanciertes Drehbuch, einen stimmigen Soundtrack sowie wunderbare Bilder, sondern besonders dank der mitreißenden Performance der Hauptdarstellerin Baya Medhaffer.





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