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Kritik: Ferien (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Sinnkrisen ereilen die Menschen immer früher. Mussten die Babyboomer oder die Generation X noch bis zur Lebensmitte warten, ist die Generation Y bereits in ihren Zwanzigern überfordert. Quarterlife Crisis heißt das in der Populärpsychologie und eignet sich wunderbar für Komödien. Regisseurin Bernadette Knoller, Jahrgang 1986, die an der Filmuniversität Babelsberg studierte, schickt in ihrem Abschlussfilm eine erschöpfte Juristin Anfang 30 zur Selbstfindung auf eine Insel. Deren berufliche wie private Probleme handelt das Drehbuch, das Knoller gemeinsam mit Paula Cvjetkovic verfasste, in aller Kürze ab. "Ferien" läuft noch keine fünf Minuten, da weiß das Publikum bereits, dass Vivian (herrlich unaufdringlich: Britta Hammelstein) den falschen Beruf und den falschen Partner gewählt hat – und das alles, ohne ein einziges Mal den Mund aufzumachen.

Auch danach bestimmen die leisen Töne diesen Film. Auf Borkum möchte Vivian nur ihre Ruhe haben, doch ihr Freund (Golo Euler) und ihr Vater (ein sehr blonder Detlev Buck) drängen sie zu einer Entscheidung. Zeit zum Nachdenken findet Vivian erst, als sie sich bei Zufallsbekanntschaft Biene (Inga Busch) und deren 13-jährigem Sohn Eric (Jerome Hirthammer) einquartiert und im Laden des Eigenbrötlers Otto (Ferdinand von Schirach) als Aushilfe anheuert. Schnell blitzen zahlreiche mögliche Handlungsverläufe auf, die "Ferien" jedoch alle unterläuft.

"Ferien" ist voll surrealer Momente (mit toten Tieren) und lakonischem Humor. Es ist eine Komödie, die mehr von ihrer Stimmung, denn von ihrer Handlung lebt. Für den richtigen Ton sorgen neben dem trockenen Wortwitz und den teils absurden Dialogen die melancholischen Songs einer Straßenband. Zu Beginn des Films singen die Musiker davon, dass man Unmögliches erreichen könne, wenn man auf sein Herz höre. Ein Versprechen an die Zuschauer? Das Unmögliche, gar Unerhörte bleibt jedenfalls aus. Was Vivian am Herzen liegt, bleibt bis zum Schluss unklar. Am Ende des Films mag sie vielleicht mit sich und der Welt im Reinen sein, beruflich wie privat ist sie kein Stück weiter.

Hier lässt "Ferien" schlicht zu viele Chancen verstreichen, Vivians Beziehungen mit Eric und Otto voranzutreiben, der Protagonistin eine Aufgabe und dem Film dadurch deutlich mehr Drive zu geben. Anknüpfungspunkte gäbe es genügend. Doch Vivian bringt dem von seiner Mutter und seinem besten Freund alleingelassenen Eric weder das Schwimmen bei noch arbeitet sie mit ihm an seinem Teich. Auch eine Übernahme von Ottos Laden samt zufriedenem Inselleben, die ein anderes Drehbuch möglicherweise als Happy End gewählt hätte, bleiben aus. Die elliptische Narration und der offene Schluss passen zwar gut zur Unentschlossenheit der Protagonistin, verbreiten aber auch zunehmend Langeweile, je länger diese "Ferien" dauern.

Fazit: Bernadette Knollers Abschlussfilm an der Universität Babelsberg ist eine Komödie, die mehr auf eine lakonisch-absurde Grundstimmung, denn auf eine zielgerichtete Handlung setzt. Das sorgt zwar für erfrischende Lacher, lässt das Publikum aber auch etwas unbefriedigt zurück.





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