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Kritik: Das Milan Protokoll (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit seinem neuen Spielfilm "Das Milan-Protokoll" widmet sich der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Peter Ott, welcher zuvor das dokumentarische Werk "Die Präsenz Gottes in einer falsch eingerichteten Gegenwart" realisierte, abermals einer äußerst komplexen Materie: den zum Teil schon jahrhundertealten Konflikten in der Nahost-Region. Gedreht wurde einerseits im Studio in Köln, andererseits an Originalschauplätzen in Dohuk. Die in Deutschland entstandenen Innenaufnahmen leben von den spannungsreichen Interaktionen zwischen den Figuren; die Außenaufnahmen im Nordirak (etwa an einem Checkpoint) zeichnen sich indes durch ihre authentische Wirkung aus.

Ott macht deutlich, dass es auf diesem Terrain keine Sicherheiten, keine Verlässlichkeiten gibt – und somit auch keine klassischen Gut/Böse-Schemata. Alles ist unberechenbar; die diversen Konfliktparteien, von der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) über den "Islamischen Staat" (IS) und die sunnitischen Stämme bis hin zu dem türkischen sowie dem deutschen Geheimdienst, gehen im Laufe der Handlung immer wieder neue Bündnisse ein, um ihre politischen Ziele zu erreichen. In seiner verschachtelten Erzählung lässt der Filmemacher Raum und Zeit fließend ineinander übergehen und sorgt so bewusst für Irritationen des Publikums; hinzu kommen interessante Verweise, zum Beispiel auf das Lehrstück "Die Maßnahme" von Bertold Brecht. Die elektronische Musik von Ted Gaier verleiht dem Mix aus Geiseldrama und Spionagethriller Dringlichkeit; besonders stark sind jedoch die Dialogpassagen – vor allem die Gespräche zwischen der Protagonistin Martina und dem jüngsten Entführer, den diese "Ismail" nennt, da er ihr seinen richtigen Namen nicht verrät, sowie die Verhörmomente zwischen Martina und dem undurchsichtigen BND-Mann im Deutschen Konsulat in Erbil.

Dies ist auch dem Ensemble zu verdanken. Catrin Striebeck ("Gegen die Wand", "You Are Wanted") verkörpert die Ärztin, die sich für eine Arbeit in einem Krisengebiet entschieden hat und fließend Kurdisch sowie Arabisch spricht, sehr glaubwürdig; Christoph Bach ("Dutschke", "Finsterworld") ist ihr als BND-Angestellter ein ebenbürtiger Spielpartner. Der 1998 geborene Samy Abdel Fattah, welcher bereits in der WDR-Produktion "Ich gehöre ihm" überzeugte und ferner aus der RTL-Serie "Der Lehrer" bekannt ist, vermag als junger Mann, der mit seiner in Deutschland wohnenden Familie gebrochen hat, einen tiefen Eindruck zu hinterlassen

Fazit: Eine Mischung aus Drama und Thriller, die sich gekonnt mit der politischen Situation im Irak befasst und dabei nicht in einfache Denk- und Darstellungsschablonen verfällt.





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