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Die Taschendiebin
Die Taschendiebin
© Koch Media

Kritik: Die Taschendiebin (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der in drei Teile bzw. Kapitel untergliederte Film feierte seine Weltpremiere in diesem Jahr auf den Filmfestspielen in Cannes. Regisseur Park Chan-wook, einer der bedeutendsten südkoreanischen Regisseure der Gegenwart, war mit seinen Werken bereits häufig zu Gast an der Côte d’Azur. Seinen internationalen Durchbruch feierte er 2003 mit dem glänzenden, eindringlichen Drama "Oldboy". Auch Hollywood erkannte die Fähigkeiten, sowohl des Films als auch des Filmemachers: "Oldboy" wurde 2014 nochmals von Hollywood verfilmt und Park durfte im Jahr davor mit dem Psychothriller "Stoker" erstmals in den USA arbeiten. "Die Taschendiebin" lockte über vier Millionen Zuschauer in die koreanischen Kinos. Kurz darauf brach Park einen Rekord: noch für keinen anderen südkoreanischen Film, wurden die Vertriebsrechte in so viele Staaten verkauft (176 Länder).

Gleich vorweg: dieselbe Sprengkraft wie "Oldboy" mit einem ebenso fulminanten Knalleffekt-Finale bzw. einer sprachlos machenden Auflösung, bietet "Die Taschendiebin" bei weitem nicht. Dennoch bleibt sich Park als Liebhaber überraschender Wendungen und dramaturgischer Schlenker treu, in "Die Taschendiebin" gleich mehrfach. Hier und da wirken diese nur lediglich ein wenig bemüht und arg gewollt. Immerhin sorgen sie aber dafür, dass man sich bei diesem erlesen gefilmten, 140 Minuten langen Historienkrimi-Epos, nicht langweilt – oder zumindest beinahe nicht. Denn lediglich bei einer bestimmten Art von Szenen, stellt sich Langeweile ein: den lesbischen Sexszenen. Auch wenn diese in ebenso sinnlichen wie edlen Hochglanz-Bildern wie der Rest des Films, auf der Leinwand erscheinen.

Dies war bei Park, der ja gerne die Grenzen des guten Geschmacks durchbricht und nichts mehr liebt als den skandalträchtigen Moment im Film, so nicht zu erwarten. Jene Sequenzen zeugen zwar von Leidenschaft und Lust, sind aber auch viel zu ausschweifend und damit langatmig, angelegt. Und skandalträchtig oder von außergewöhnlichem Inhalt, sind diese erotischen Aufnahmen – die das ein oder andere SM-Klischee bedienen – auch nicht. Dies war, nach der Einstufung des Films in Korea ab 18 Jahren, so nicht unbedingt zu erwarten.

Dennoch: die Chemie auf der Leinwand zwischen den Hauptdarstellerinnen Kim Tae-Ri und Kim Min-Hee stimmt. Sie bilden ganz klar den Mittelpunkt des Films, auf sie konzentriert sich alles. Und sie haben etwas gemeinsam: sie sind Opfer egoistischer, kontrollsüchtiger und dominanter Männer, die sie für ihre Zwecke missbrauchen. Beide Darstellerinnen verkörpern die Rollen zweier von den Männern in ihrer Umgebung angewiderter Frauen, sensibel und aufopferungsvoll. Die drei Teile des Films, die das Geschehen aus der Sicht unterschiedlicher Personen zeigen, verdeutlichen: auch Hideko spielte falsch und plante etwas Hinterlistiges, jedoch kommt ihr mit der Liebe das intensivste vorstellbare Gefühl überhaupt, dazwischen.

Fazit: In traumwandlerische, erhabene Bilder getauchter Mix aus Erotik, Drama, Historien- und Kriminalfilm mit zwei überragenden Darstellerinnen. Störend sind die etwas zu ausladenden Sexszenen, die zudem das ein oder andere (Lesben-)Pornofilm-Klischee erfüllen.





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