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Kritik: The Queen of Katwe (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die im heutigen Odisha geborene Filmemacherin Mira Nair, die sowohl in New York als auch in Delhi und in Kampala lebt, hat in ihren vielfach ausgezeichneten Arbeiten – etwa "Salaam Bombay!" (1988), "Mississippi Masala" (1991) oder "Monsoon Wedding" (2001) – stets Figuren ins Zentrum der Handlung gerückt, die im (Mainstream-)Kino unterrepräsentiert sind. In ihrem neuen Werk "Queen of Katwe" zeigt sie – auf Basis eines Skripts von William Wheeler, welches wiederum auf einem Zeitschriftenartikel und einem Buch von Tim Crothers beruht – die wahre Geschichte der jungen Phiona Mutesi, die aus einem ugandischen Slum stammt und zu einem international bekannten Schach-Profi und Vorbild wurde. Das von Walt Disney Pictures (mit-)produzierte Biopic wird den Anforderungen an ein Feelgood Movie gerecht und folgt in seiner Dramaturgie dem üblichen Muster des (Denk-)Sportfilms; dennoch hebt sich die Geschichte durch zahlreiche genaue Beobachtungen sowie durch Nairs spürbares Interesse an dem geschilderten Milieu und an den Menschen von vergleichbaren Erzählungen aus Hollywood ab.

So werden etwa kluge und einleuchtende Parallelen zwischen den Regeln und Strategien des Schachspiels, die der Missionar Robert Katende der Gruppe auf handgemalten Brettern näherzubringen versucht, und dem Lebensalltag der Kinder in Katwe gezogen, wodurch ein ganz eigener und besonderer Lernprozess veranschaulicht wird. Auch die Gefühle und Motivationen der Figuren werden komplex und zugleich schlüssig dargestellt – wie zum Beispiel die Zweifel und vehementen Einwände von Phionas Mutter Nakku Harriet, die durch ihre Strenge nie zur Antagonistin, sondern zu einer äußerst wichtigen Stimme innerhalb der Coming-of-Age-Story ihrer talentierten Tochter wird.

Die Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o ("12 Years a Slave") liefert in der Mutterrolle eine passionierte, eindrückliche Performance; sie verkörpert eine starke, hartnäckige Frau, deren Backstory immer wieder subtil anklingt. Ebenso kann David Oyelowo ("Selma") als engagierter, oft auch humorvoller Mentor überzeugen. Die Debütantin Madina Nalwanga spielt den Hauptpart sehr introvertiert, lässt in den entscheidenden Momenten aber doch den festen Willen und die kämpferische Ader von Phiona unmissverständlich durchblicken.

Fazit: Unterhaltsam und nach gängigem Schema erzählt, aber dank vieler Details und eines hingebungsvollen Ensembles deutlich über dem Wohlfühlfilm-Durchschnitt.





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