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Krieg und Spiele
Krieg und Spiele
© Real Fiction

Kritik: Krieg und Spiele (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Karin Jurschick stellt ihrem Dokumentarfilm eine Überlegung voran. Ob unbemannte Luftfahrzeuge, die einmal als Spielzeuge gedacht waren und in Form von Kampfdrohnen längst zur tödlichen Waffe geworden sind, unsere neuen Götter seien, fragt die Regisseurin aus dem Off in den Kinosaal. Ihr Gedankengang ist nicht neu. Bei jedem Krieg, der eine technische Weiterentwicklung mit sich bringt, wird diese Frage gestellt. Auch die Auswirkungen von Depersonalisierung und Automatisierung, was also mit Soldaten passiert, die ihrem Feind nicht mehr direkt gegenüberstehen, sondern ihre Waffen Tausende Kilometer entfernt vor einem Computermonitor bedienen, haben bereits zahlreiche Dokumentarfilme verhandelt. "Krieg und Spiele" fasst die jüngsten Entwicklungen, die Zunahme von Überwachung und gezielten Tötungen nach den Anschlägen vom 11. September 2001, jedoch aufschlussreich zusammen und stellt Wissenschaftlern und Militärs, Ingenieuren, Waffenherstellern, Entwicklern von Computerspielen und Philosophen die Frage nach Ethik, Moral und der Zukunft des Krieges.

Eins ist dabei evident: Die Lager sind zutiefst gespalten. Während die Befürworter gebetsmühlenartig wiederholen, wie viele Leben durch die Technik gerettet, wie viele (menschliche) Fehler vermieden werden könnten, zeichnen die Skeptiker und Gegner ein Bild von einer "beängstigenden" Zukunft. Ein dazwischen scheint es in dieser Frage kaum zu geben. Colonel Lawrence Wilkerson etwa wirft den Universitäten, Unternehmen und der Gesellschaft vor, nur mehr junge Menschen ohne moralischen Kompass hervorzubringen. Soldaten, die ihr Leben nicht mehr aufs Spiel setzten, seien nichts anderes als Attentäter und (Auftrags-)Mörder der Regierung. Ronald Arkin, Professor für Robotik, sieht hingegen gerade in der Technik eine Chance, im Kriegseinsatz rationaler und dadurch moralischer zu handeln. Und der Politikwissenschaftler Peter W. Singer nimmt weiterhin den Menschen in die Pflicht. Ethische und moralische Konflikte ließen sich nicht einfach auf Maschinen abwälzen.

Mit einem Kommentar aus dem Off, der ihren Gedanken zum Thema freien Lauf lässt, bringt sich die Regisseurin selbst in ihren Film ein. Schwarzweißbilder einer Kameradrohne, die von einem zum anderen Interviewpartner überleiten, ahmen Überwachungsbilder nach und verleihen "Krieg und Spiele" eine bedrohliche Ästhetik. Dabei blickt der Film hinter manche Kulisse, die der Öffentlichkeit bislang unzugänglich gewesen ist. In seinen stärksten Momenten lässt "Krieg und Spiele" die Aussagen der Interviewpartner unkommentiert stehen, entlarvt deren teils stumpfe Parolen, die ab und an einer Realsatire gleichen, oder regt zum Nachdenken an. In seinen schwächeren Momenten formuliert Jurschick ihre Gedanken im Off-Kommentar allzu hochtrabend, dramatisiert zu sehr durch Musik und den ästhetisierten Drohnenblick.

Die größte Schwäche ist jedoch die Themenvielfalt. Statt sich auf die Wechselwirkung von Militär und Computerspielen, von Waffen- und Spiele-Industrie zu beschränken, taucht Jurschick auch in die Forschungsbereiche der Robotik und künstlichen Intelligenz ein, reißt ganz am Schluss gar den Finanzmarkt an. "Krieg und Spiele" bietet dadurch keinen umfassenden und abschließenden Überblick, sondern überall nur knappe Einblicke.

Fazit: "Krieg und Spiele" liefert einen ebenso faszinierenden wie beängstigenden Ausblick, wohin die Kriegsführung in Zukunft steuern könnte. Regisseurin Karin Jurschick schneidet zahlreiche Themen aber nur an und überlässt es ihrem Publikum, angeregt durch ihren zum Teil etwas zu hochtrabend formulierten Kommentar, diese zu Ende zu denken.





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