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1001 Nacht: Volume 3: Der Entzückte
1001 Nacht: Volume 3: Der Entzückte
© Real Fiction

Kritik: 1001 Nacht: Teil 3 - Der Entzückte (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im dritten und letzten Teil dieser märchenhaften Trilogie über die Krise in Portugal ergreift nun auch Scheherazade (Crista Alfaiate) die Flucht. Und gemeinsam mit seiner Erzählerin geht dem Regisseur die Lust am Erzählen aus. Zwar fabuliert Miguel Gomes in "1001 Nacht: Teil 3 – Der Entzückte" erneut ausgefallene Figuren, Ideen und kleine Geschichten, zu viele davon reißt er aber nur an, um direkt zur nächsten zu hetzen. Fast scheint es so, als wolle Gomes alles, was er noch zu sagen hat, in die ersten Minuten dieses letzten Teils quetschen. Statt auf den bewährten Kommentar aus dem Off und einen ruhigen Erzählfluss mit teils hypnotischen Bildern, die sich noch in den ersten Minuten des dritten Teils finden, fügt Gomes nun beständig Texte ein und degradiert den Zuschauer zum Leser, was den Filmgenuss erheblich stört.

Als Scheherazade ihre Erzählung schließlich fortsetzt, verfällt Miguel Gomes ins andere Extrem. Wo er in den ersten beiden Teilen die Erzählstruktur der literarischen Vorlage noch nachahmte, also in eine übergeordnete Rahmenhandlung zahlreiche verschachtelte Unterhandlungen einfügte, erzählt er nun überlang eine einzige Geschichte um eine Gruppe Vogelfänger. Nur einmal verlässt Gomes sie kurz, um einer chinesischen Austauschstudentin das Wort zu erteilen. Danach kehrt der Film zu den Männern zurück, die ihren Tieren Melodien beibringen und sie anschließend in einem Sängerwettstreit gegeneinander antreten lassen.

So ungewöhnlich diese Tradition aus dem Problemviertel Musgueira im Nordwesten Lissabons auch sein mag, so groß der Kontrast zwischen den oft ungeschlachten Arbeitern und ihren zarten Vögeln auch ist, Gomes widmet ihnen zu viel Zeit. Zeit, die ihm am Ende fehlt. Denn der zu Beginn des ersten Teils vom Set geflohene Regisseur kehrt zum Abschluss seiner Trilogie weder in seinen Film zurück noch wird wie angekündigt ein Urteil über ihn verhängt. Nicht die einzige Stelle, an der der narrative Motor stottert.

Fazit: "1001 Nacht: Teil 3 – Der Entzückte" ist der Abschluss einer Trilogie, die den ökonomischen und sozialen Herausforderungen in Portugal mit einer Mischung aus Fakten und Fiktion, aus Dokumentarischem und Märchenhaftem begegnet. Im dritten und letzten Teil gehen Regisseur Miguel Gomes ein wenig die Ideen aus. Zwar gelingen ihm erneut grandiose Bilder, treffende Metaphern und faszinierende Einblicke in eine krisengeschüttelte Gesellschaft, der Erzählfluss kommt Gomes aber deutlich abhanden.




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