VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Wiener Dog (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Wiener Dog" ist der neue Film des aus New Jersey stammenden Regisseurs und Schauspielers Todd Solondz. Schon immer ist der 56-jährige Filmemacher fasziniert vom US-amerikanischen Vorstadtleben sowie den großen und kleinen (Alltags-) Problemen der einfachen Leute. Seinen Durchbruch feierte er 1995 mit dem Kritikerliebling "Willkommen im Tollhaus" über einen von ihrer Umwelt verstoßenen, unter der mangelnden Zuneigung der Eltern leidenden, weiblichen Teenager. Für diesen Film erhielt auf dem Sundance-Filmfest vor 20 Jahren den großen Preis der Jury. Einen inhaltlichen Bezug zu diesem Werk gibt es bei "Wiener Dog" auch. Dawn Wiener, eine der Protagonistinnen hier im Film, war bereits die weibliche Hauptfigur im "Tollhaus". Und noch eine Gemeinsamkeit: wo auch sonst als auf dem Sundance-Festival feierte "Wiener Dog" im Januar dieses Jahres Premiere.

Der niedliche Dachshund fungiert in diesem Film als tierischer roter Faden zwischen den einzelnen Episoden. Aus seiner Sicht, aus der Sicht kleiner und stets melancholisch dreinblickender Hundeaugen, offenbaren sich dem Kinobesucher die kleinen und großen Tragödien im Alltag US-amerikanischer Mittelschichtler. Der Lächerlichkeit gibt Regisseur Solondz seine Figuren dabei aber zu keinem Zeitpunkt Preis, im Gegenteil: obwohl sie zum Teil sowohl von Kollegen als auch Untergebenen mit Hohn und Spott überzogen (Dave) oder mit einer todbringenden Krankheit konfrontiert werden (Nancy), bewahren sich die Figuren ihre Würde. Geschuldet ist dies dem Drehbuch, das gespickt ist mit warmherzigen Dialogen und schwarzhumorigen Seitenhieben, und der feinfühligen Inszenierung von Solondz.

Er greift dabei immer wieder Dinge und Inhalte auf, die – so meint man – in der amerikanischen Mittelschicht nicht selten zum Alltag gehören: Drogen, Möchtegern-Intellektualität, Geldgeilheit, Verrohung, Verfall der Sitten. Diesen widmet er sich dann extrem grobschlächtig und bissig, bei manchen Kommentaren und Dialogen bleibt einem regelrecht das Lachen im Halse stecken. Überhaupt der Humor: Komik und Tragik liegen hier – wie so oft bei Solondz – nicht nur nahe bei einander, nein, sie gehen sogar Hand in Hand. Melancholisch-nachdenkliche Szenen und Momente treffen auf urkomische, brachial-humorige. Etwa in einer Szene, in der der Hund an ein unter dem Down-Syndrom leidendes Pärchen abgegeben werden soll.

Darstellerisch sticht vor allem Julie Delpy als intellektuelle Mutter hervor, die sich dem Sohn gegenüber stets um Kopf und Kragen redet und sich damit irgendwann nur noch in Unglaubwürdigkeit verstrickt. Und auch Altmeister Danny DeVito überzeugt als vom Pech verfolgter, dem Erfolg und Glück früherer Tage hinterher trauernder und -jagender Filmdozent.

Typisch für Regisseur Todd Solondz: auch "Wiener Dog" ist durchzogen von bitterbösem, schwarzen Humor. Sein gutes Gespür für warme, gefühlvolle Momente und Szenen, in denen sich die gut aufgelegten Darsteller gegenseitig die Bälle zuspielen, zeigt er aber auch hier.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.