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Das unbekannte Mädchen
Das unbekannte Mädchen
© temperclayfilm production & distribution GbR

Kritik: Das unbekannte Mädchen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Das unbekannte Mädchen" liefern die belgischen Brüder Jean Pierre und Luc Dardenne einerseits ein typisches Dardenne-Werk: Wie schon in "La promesse" (1996) oder "Rosetta" (1999) oder auch in neueren Arbeiten wie "Der Junge mit dem Fahrrad" (2011) oder "Zwei Tage, eine Nacht" (2014) betreiben die Filmemacher hier eine sehr genau beobachtete Gesellschaftsstudie. Andererseits begeben sich die beiden jedoch in Gefilde, die von ihnen bisher wenig erforscht wurden – und zwar in die des Krimi-Genres: Ihre aktuelle Schöpfung funktioniert nicht nur als präziser Einblick in ein Milieu, sondern zugleich als whodunit, welcher von einem Verbrechen sowie von Verdächtigen und einer couragierten, eigenmächtig ermittelnden Hauptfigur erzählt.

Dabei gelingt den Dardenne-Brüdern eine bemerkenswert stimmige Mischung aus Sozialrealismus und Genre-Elementen. Der Praxis-Alltag der Ärztin Jenny sowie deren Zusammenarbeit mit dem Praktikanten Julien werden glaubwürdig eingefangen; auch die Hausbesuche bei diversen Patient_innen und die teilweise ruppig-unangenehmen Begegnungen, die Jenny im Laufe ihrer Nachforschungen erlebt, muten äußerst authentisch an – was vor allem an der ungekünstelten Dialoggestaltung und vielen kleinen Inszenierungsdetails liegt. Die gefährlichen Situationen, in die Jenny gerät – wenn sie etwa mit dem Auto verfolgt und anschließend bedroht wird –, werden absolut nachvollziehbar (und gerade deshalb spannend) umgesetzt. Da sich Jenny nicht wie eine übermenschlich-allwissende Kinoheldin verhält, sondern zuweilen durchaus unüberlegt handelt, ist sie eine sympathische Protagonistin, die zur Identifikation einlädt.

Adèle Haenel, die bereits als junge Rebellin in "Liebe auf den ersten Schlag" zu beeindrucken wusste, verkörpert die Hauptrolle als starke, uneitle Frau, die ihre anfängliche Entscheidung bereut und sich unermüdlich auf die Suche nach der Wahrheit macht, um die Identität des "unbekannten Mädchens" zu klären. In ihrer Darstellung vermeidet Haenel alles Pathetische und lässt überzeugend die Entwicklung erkennen, die ihre Figur durchläuft. Haenels Interaktionen mit Olivier Bonnaud als Julien gehören in ihrer lebensechten Wirkung zu den besten Szenen des Films.

Fazit: Eine gelungene Mischung aus der Dardenne-typischen Milieuschilderung und einer glaubhaften Krimi-Narration. Hauptakteurin Adèle Haenel lässt uns mit ihrem engagierten Spiel als Zuschauer_innen stets mitfühlen.




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