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Swiss Army Man
Swiss Army Man
© Central Film © Capelight Pictures © Koch Media

Kritik: Swiss Army Man (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Swiss Army Man" ist das Langfilmdebüt des Drehbuch- und Regie-Duos Daniels (alias Daniel Scheinert und Dan Kwan). Die beiden stammen aus der Werbe- und Musikvideoszene, was man der audiovisuellen Gestaltung dieses Werks deutlich anmerkt. So nutzen die Daniels die Tonspur, um mit diversen Klängen – von denen einige ganz bewusste Missklänge sind – einen Sog zu erzeugen. Hinzu kommen überbordende, kreativ montierte Bilder, die das Gefühl, man erlebe einen Rausch, noch verstärken. Schon allein die einfallsreiche Ästhetik würde genügen, um "Swiss Army Man" zu einer sehens- und hörenswerten Kinoerfahrung zu machen. Doch auch inhaltlich ist die Fantasy-Survival-Tragikomödie ein kinematografisches Unikum: Was als äußerst schwarzhumorige Version von "Robinson Crusoe" beginnt, wandelt sich bald in einen schier unbeschreiblichen Trip – spätestens wenn der gestrandete Protagonist Hank den angespülten toten Körper seines neuen Begleiters als Jetski verwendet, um in jubelnder Begeisterung seinem Inselgefängnis zu entfliehen und irgendwo in den Wäldern zu landen.

Es gelingt den Daniels, existenzielle Fragen zu stellen – etwa was einen Menschen zu einem Menschen macht oder woran sich erkennen lässt, ob man sein Leben wirklich gelebt hat – und dieser thematischen Schwere mit morbiden Einlagen sowie einem derben Humor, der viele fart jokes mit einschließt, zu begegnen. Diese mutige Methode führt zu einem überraschend bestechenden Ergebnis, in welchem die Alberei und das Tiefsinnige, das Bizarre und Anrührende einander die Waage halten. "Swiss Army Man" ist vermutlich der Film mit den interessantesten, aufrichtigsten Unterhaltungen über Flatulenz und Masturbation, die bis dato auf der großen Leinwand zu vernehmen waren. Während das einst so innovative US-Indie-Kino heutzutage oft mit formelhaften Plots und Figuren sowie einer allzu gefälligen Umsetzung enttäuscht, demonstriert dieser ungewöhnliche Mix das Potenzial unabhängiger Produktionen.

Das Hauptdarsteller-Duo agiert sensationell. Paul Dano und Daniel Radcliffe harmonieren wunderbar miteinander und liefern couragierte Performances. Insbesondere Radcliffe muss man für seinen beherzten Einsatz loben: Der von ihm verkörperte "Tote" namens Manny, gegen den selbst der Volleyball Wilson aus "Cast Away" wie ein konventioneller Kompagnon erscheint, erweist sich als herausfordernde Rolle, die der ehemalige "Harry Potter"-Star zu meistern versteht.

Fazit: Ein einmaliges, durchgeknalltes Filmerlebnis – witzig, traurig, schräg und philosophisch. Wer sich im Kinosaal einer echten Überraschung aussetzen will, ist hier genau richtig.




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