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Hell or High Water
Hell or High Water
© CBS Films

Kritik: Hell or High Water (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Hell or high water" ist der erste Film des britischen Regisseurs David MacKenzie seit drei Jahren. Seinen Durchbruch feierte der 50-jährige 2011 mit dem Sci-Fi-Drama "Perfect Sense" mit Eva Green und Ewan McGregor. "Hell or high water" ist das bisher größte und kostspieligste Projekt, das MacKenzie bisher federführend betreute. 12 Millionen Dollar kostet der starbesetzte Neo-Western, der Mitte 2016 im US-Bundesstaat New Mexico gedreht wurde. Hauptdarsteller Chris Pine drehte parallel zu "Hell or high water" den Blockbuster "Star Trek Beyond", weshalb er insgesamt nur zwei Wochen am Set war. Seine Weltpremiere erlebte der Film im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes.

"Hell or high water" ist ein melancholischer Abgesang auf alte Western-Mythen. Auf schwermütige und oft enorm sarkastische Weise thematisiert er das Aussterben des alten, traditionellen Wilden Westens mit seinen stolzen Cowboys sowie gefürchteten Revolverhelden. Von deren Ehrgefühl und unerschütterlichen Werten, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Diesen Verfall sieht man zum einen den Orten an, denen die beiden Brüder im Rahmen ihrer Diebes-Tour durch Texas einen Besuch abstatten. Es sind oft fast ausgestorbene, sich selbst überlassene Wüstenstädtchen, in denen einzig die Bank das Sagen hat. Dementsprechend desillusioniert und verbittert sind viele der Einwohner bzw. Figuren im Film: in die Jahre gekommene Cowboys der alten Schule, die sich von ihrer Bank betrogen fühlen. In einer Szene bringt es ein Einwohner mit einer zynischen, vergrämten Äußerung auf den Punkt: "Die Bank raubt mich seit 30 Jahren aus."

Und genau an dieser Stelle könnte der Film aktueller nicht sein, verpackt er doch einige Themen und Aspekte in ein klassisches (Neo-) Western-Gewand, von denen man fast täglich in den Nachrichten hört: Immobilien- und Bankenkrisen, raffgierige Finanzinstitute, überschuldete Bürger und der bei seiner Bank in der Kreide stehende, einfache Einwohner. Zu genau dieser Sorte Mensch zählen auch die beiden Brüder im Film, Toby und Tanner. Vor allem Toby – der von Chris Pine enorm vielschichtig verkörpert wird – möchte zunächst einmal nur das Beste für seine Familie. Irgendwie durchkommen lautet die oberste Devise. Die persönliche Notlage und finanzielle Krise treibt die Beiden regelrecht in diesen Strudel aus Straftaten, Verbrechen und Lebensgefahr, in die sie sich bei jedem neuen Überfall begeben.

Als leicht erregbar, emotional instabil und damit als interessanter Gegenpol zum introvertierten Toby kommt Ben Foster als aufbrausender Ex-Knacki Tanner daher, bei dem die Fäuste locker sitzen. Durch die Unterschiedlichkeit der Zwei, die dennoch für das gleiche Ziel die Banken ausrauben, ergibt sich eine spannende Ambivalenz in ihrem Verhältnis und Umgang miteinander. Und Jeff Bridges als leicht mürrischer, kurz vor der Pensionierung stehender Leitwolf, der einen letzten großen Fall lösen will, ist wie gewohnt brillant. Als in die Jahre gekommener Zyniker und Ranger der alten Schule, den nichts mehr aus der Ruhe bringen kann, agiert er glaubwürdig mit hämischer Miene und entschlossener Haltung.

Fazit: Sarkastischer, mit bitterbösen und höchst zynischen Dialogen gespickter, schwermütiger Abgesang auf Western-Mythen und Cowboy-Legenden. Die Mischung aus Heistkrimi, Western und Drama überzeugt mit interessanten, vielschichtigen Figuren, die von den Darstellern authentisch und hingebungsvoll verkörpert werden.





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