Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Hinter den Wolken
Hinter den Wolken
© Pandora Film

Kritik: Hinter den Wolken (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Hinter den Wolken" legt die 1985 geborene Belgierin Cecilia Verheyden ihr Langfilmdebüt vor – und lässt im Umgang mit ihrem Thema eine hohe Sensibilität erkennen. Das kluge Drehbuch von Michael De Cock, welches auf dessen Theaterstück basiert, wird in einer unaufgeregt-stilvollen Bildsprache umgesetzt und von einem großartigen Ensemble getragen. Hauptdarstellerin Chris Lomme beeindruckt zunächst als Trauernde, die den Tod ihres Ehemanns verarbeiten muss. Die offen-herzliche Beziehung zwischen der Protagonistin Emma und der (fast) erwachsenen Enkelin Evelien wird in Lommes Zusammenspiel mit Charlotte De Bruyne glaubhaft eingefangen – und auch das schwierigere Verhältnis zur Tochter Jacky vermag in der Darstellung zu überzeugen.

Was in der französischen Komödie "Willkommen im Hotel Mama" in erster Linie als Vorlage für boulevardeske Momente diente, wird von Verheyden und dem gesamten Team ernst genommen: Der Film zeigt, dass es der "Kindergeneration" oft nicht leicht fällt, den Eltern im Alter ein Recht auf eigene Entscheidungen – insbesondere im Bereich der (neuen) Liebe – zuzugestehen. Der Mutter-Tochter-Konflikt wird hier noch zugespitzt, indem Jacky in einer frustrierenden Affäre mit einem verheirateten Mann (verkörpert von Lucas Van den Eynde) feststeckt – und den amourösen Ausbruch ihrer eigenen Mutter daher umso mehr als Affront empfindet.

Die Chemie zwischen Lomme und Jo De Meyere ist hervorragend. Die beiden können vermitteln, dass sich ihre Figuren seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben – und dass dennoch rasch wieder eine Nähe zwischen Emma und Gerard entsteht. Bereits der erste, kurze Blickwechsel auf dem Begräbnis von Emmas Ehemann, als Gerard einen roten Dartpfeil in Erinnerung an die einstige Zeit zu dritt auf den Sarg legt, ist intensiv. Wenn Gerard mit den Worten "will dich sehen" via Facebook mit Emma in Kontakt zu treten versucht, wird dies witzig, aber niemals albern in Szene gesetzt – ebenso wie das erste Treffen, das nach plötzlichem Regen in einen Dönerladen führt und "ganz anders" als geplant verläuft. Bei Rotwein und Brahms können die beiden schließlich an frühere Zeiten anknüpfen – und die erste gemeinsame Nacht, die das Paar im "griechischen Zimmer" eines Hotels verbringt, gehört zu den schönsten Liebesfilmsequenzen des Jahres: Ehe der "Retro-Sex" beginnt, zählt Gerard Emma als reality-check-Maßnahme all seine Gebrechen auf und erzeugt mit dieser Ehrlichkeit eine einnehmende Intimität.

"Hinter den Wolken" widmet sich dem Alter(n) mit leisem Humor; in einem Nebenstrang um Gerards Bruder Karel (Hugo Van Den Berghe), einem ehemaligen Konzertpianisten, der nun mit Demenz in einem Pflegeheim lebt, klingen jedoch auch tragische Töne an. Verheyden bleibt in ihrer Schilderung realistisch – und bringt ihren reifen Figuren viel Sympathie entgegen.

Fazit: Ein feinsinnig gemachter Film über die Liebe im fortgeschrittenen Alter – wunderbar gespielt!




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.