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Begabt - Die Gleichung eines Lebens
Begabt - Die Gleichung eines Lebens
© 20th Century Fox

Kritik: Begabt - Die Gleichung eines Lebens (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Begabt – Die Gleichung eines Lebens" ist ein Werk, das Heiteres mit Traurigem verquickt und sein Publikum dabei zu unterhalten beabsichtigt, zugleich aber eine wichtige Botschaft vermitteln möchte. Der Regisseur Marc Webb, welcher nach vielen Musikvideos mit der RomCom "(500) Days of Summer" (2009) sein erfolgreiches Spielfilmdebüt gab und mit "The Amazing Spider-Man" (2012) sowie dessen Sequel auch schon im Event-Movie-Bereich aktiv war, setzt ein Skript von Tom Flynn um – und sowohl im Drehbuch als auch in der Inszenierung finden sich einige typische Schwächen des Feel-Good-Kinos: Wenn Webb und sein fraglos talentierter Kameramann Stuart Dryburgh ("Das Piano", "The Great Wall") Dialoge im Gegenlicht am Strand einfangen, wirken die Bilder allzu glatt und gefällig, während sich das, was die Figuren artikulieren, oft übertrieben pointiert und dadurch leider wenig authentisch ausnimmt.

Gleichwohl vermag der Film in etlichen Momenten zu berühren und seine thematisierten Konflikte glaubhaft zu veranschaulichen. "Versuch', ein Kind zu sein!", ruft der Protagonist Frank seiner mathematisch überdurchschnittlich begabten Nichte beziehungsweise Ziehtochter Mary etwa zu, als diese an ihrem ersten Schultag in den Bus zu ihren Mitschüler_innen steigt – womit Franks Wunsch, dass Mary einen "normalen" Alltag erleben kann, und ebenso seine Befürchtung, dass es der hochintelligenten 7-Jährigen an sozialer Kompetenz mangelt, auf den Punkt gebracht wird. Wie schwer es Mary fällt, sich in ihrer Klasse zu integrieren, wird in diversen Passagen in der Schule nachvollziehbar gezeigt. Wenn sich das Mädchen später recht rabiat für den Mitschüler Justin (Michael Kendall Kaplan) einsetzt, wird indes deutlich, dass Mary durchaus über Mitgefühl für andere verfügt – allerdings nicht immer weiß, wie sie dieses ausdrücken soll. Franks Mutter Evelyn, die Marys Begabung fördern will, wird im Laufe der Handlung nicht zur reinen Klischeefigur einer fies-verbitterten Antagonistin: Wiewohl Webbs Tragikomödie gewiss nicht unparteiisch ist, trägt Lindsay Duncan mit ihrer Interpretation von Evelyn dazu bei, dass man als Zuschauer_in auch deren Sichtweise und deren Sorge, Mary könnte ihr Potenzial nicht ausschöpfen, versteht.

Chris Evans ("Captain America: The First Avenger") gelingt die Verkörperung eines Mannes, der Angst hat, dass er das Leben seiner Nichte ruinieren könnte, wenn er die falsche Entscheidung trifft; mit seiner jungen Spielpartnerin McKenna Grace, die bereits diverse Auftritte in Serien, TV- und Kinofilmen (etwa in "Designated Survivor" oder "Independence Day: Wiederkehr") hatte, harmoniert das bekannte Marvel-Gesicht ganz ausgezeichnet. Überzeugend und sympathisch agieren auch Indie-Star Jenny Slate ("Obvious Child") als Klassenlehrerin sowie die stets verlässliche Octavia Spencer ("The Help", "Hidden Figures") als Franks fürsorgliche und zugleich forsche Nachbarin.

Fazit: Eine Hollywood-Produktion in polierten Aufnahmen und mit allzu geschliffenen Drehbuchzeilen, die in Teilen dennoch nahezugehen weiß und von einem guten Ensemble getragen wird.





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