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Baden Baden
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© Film Kino Text

Kritik: Baden Baden - Glück aus dem Baumarkt? (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die belgisch-französische Co-Produktion "Baden Baden – Glück aus dem Baumarkt?" ist das Spielfilmdebüt der 1984 in Straßburg geborenen Rachel Lang. Die Drehbuchautorin und Regisseurin hat sich schon in zwei Kurzfilmen – "Pour toi je ferai bataille" (2010) und "Les navets blancs empêchent de dormir" (2011) – mit der von Salomé Richard verkörperten Protagonistin Ana befasst: Die junge Frau befindet sich im Modus der langwierigen Identitätssuche, führt teils destruktive, teils völlig offene Beziehungen und zuckt mit den Schultern, wenn sie gefragt wird, was sie denn eigentlich beruflich so mache. Die Aushilfsjobs, denen sie nachgeht, erfüllen lediglich den Zweck, das nötige Geld zu verdienen, um sich ausgiebig treiben lassen zu können. An Ansporn und Ehrgeiz mangelt es Ana zumeist.

Lang – die ihrer Hauptdarstellerin vermutlich nicht rein zufällig ziemlich ähnlich sieht – nutzt dieses Charakterprofil jedoch nicht für eine albern-verquasselte Slacker-Comedy nach US-amerikanischem Vorbild, sondern für ein facettenreiches, bei allem Humor sehr ernsthaftes Porträt mit vielen wahrhaftigen Momenten. Neben der authentisch wirkenden Inszenierungsweise und der niemals aufdringlichen, aber dennoch Nähe und Intimität erzeugenden Kameraarbeit von Fiona Braillon ist dies nicht zuletzt der überaus einnehmenden Salomé Richard und deren Zusammenspiel mit dem restlichen Ensemble zu verdanken. Es gibt nicht die eine Person in Anas Leben, sondern diverse – und all diese zwischenmenschlichen Interaktionen werden in äußerst treffenden Passagen umgesetzt. So etwa die einseitig-frustrierende Liebe zu dem narzisstischen Künstler Boris oder die zugleich kumpelhafte und körperliche Neckerei zu dem von Swann Arlaud überzeugend interpretierten Simon. Für die komischsten Einlagen des Films sorgt das Renovierungsprojekt, das Ana mit dem linkischen Baumarktangestellten Grégoire in Angriff nimmt: Richard und ihr Co-Star Lazare Gousseau (dis-)harmonieren als Handwerksduo ganz wunderbar miteinander; die Szenen im Badezimmer, in welchen der Raum mehr und mehr zu einer Chaos-Baustelle wird und damit auch Anas seelischen Zustand widerspiegelt, würden ebenso als eigenständiges Short Movie hervorragend funktionieren.

Als Herzstück von "Baden Baden" kann indes Anas enge Beziehung zur Großmutter bezeichnet werden. Claude Gensac – die in einigen Louis-de-Funès-Abenteuern wie "Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe" (1981) zu sehen war – liefert eine herrliche Darbietung voller Witz und Eigensinn. Anas Sorge um die Gesundheit der älteren Dame wird von Richard glaubwürdig vermittelt.

Fazit: Ein kluger und ehrlicher Einblick in ein Twentysomething-Leben mit einer exzellenten Hauptakteurin und durchweg gut besetzten Nebenfiguren.




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