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Die Schlösser aus Sand
Die Schlösser aus Sand
© Film Kino Text

Kritik: Die Schlösser aus Sand (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das schmerzhafte Ende einer Beziehung zu inszenieren, vermag wohl keine Filmnation so meisterhaft wie die französische. Regisseur und Drehbuchautor Olivier Jahan gelingt mit seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm "Die Schlösser aus Sand" eine ebenso melancholische wie komische, ebenso beiläufig romantische wie lässig verspielte Variante, die sich bei den Größen dieser altbekannten Geschichte dennoch hintanstellen muss.

Das liegt in erster Linie am deutlich zu geschwätzigen Auftakt. Jahan und sein Koautor Diastème haben ihre Tragikomödie multiperspektivisch angelegt. Verschiedene Erzähler wechseln sich auf der Tonspur ab. Wer hier im Einzelnen spricht, löst sich erst ganz am Schluss mit letzter Gewissheit auf. Wie träumerisch dieser Ansatz auch anmutet, wie poetisch die Worte aus dem Off auch sein mögen, in den ersten Minuten begreift Jahan das Kino viel zu selten als visuelles Medium. Dann spricht er all das aus, was ein guter Regisseur durch Blicke, Gesten, Berührungen und die Beziehung der Körper zueinander nur zeigt.

Im Verlauf der Handlung nehmen diese Dopplungen von Wort und Bild ab und fügen sich geschmeidiger ins Gesamtkonzept. Unter das Poetisch-Verträumte mischt sich eine verspielte Komik. Der verstorbene Vater materialisiert sich aus dem Jenseits und gibt Ratschläge. Wiederholt adressieren die Figuren direkt das Publikum und erzählen von ihren (Ex)Partnern. In diesen kleinen, von Schwarz-Weiß-Fotos begleiteten subjektiven Rückblenden steckt viel Wahrheit. Hier, wie allgemein in den drei wunderbar getroffenen Frauenfiguren, berührt "Die Schlösser aus Sand" den Kern menschlicher Beziehungen. Und auch die Entwicklung der weiblichen Hauptfigur, die im Grunde keine ist und die ein Film aus Hollywood ganz anders, viel zielgerichteter erzählt hätte, kommt der Realität sehr nahe.

Fazit: Olivier Jahans "Die Schlösser aus Sand" ist eine verspielte, melancholische Tragikomödie über Verlust, Trauer und menschliche Nähe. Nach einem zu redseligen Beginn bekommt der Film die Kurve zu einer einfühlsamen Reflexion über (Liebes)Beziehungen, in der viele simple, aber zutreffende Wahrheiten stecken.




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