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Kritik: Frank Zappa (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seinen Dokumentarfilm "Frank Zappa" – dessen Originaltitel "Eat That Question: Frank Zappa in His Own Words" lautet – hat sich Thorsten Schütte in internationalen Archiven auf die Suche nach Spuren des titelgebenden Künstlers gemacht und dabei äußerst beachtliches Material zutage gefördert. Mit seinem Cutter Willibald Wonneberger montiert er Interview-Ausschnitte und musikalische Auftritte zu einem facettenreichen Porträt, das uns als Zuschauer_innen viel von der Arbeit, aber auch dem Denken, der Haltung und Überzeugung Frank Zappas erzählt und obendrein perfekt zu dessen collagenhafter Kompositionstechnik passt. Während Zappa mit seiner Versatzstück-Methode einst einzigartig-bizarre Klangwelten schuf, kreiert Schütte auf vergleichbarem Wege ein audiovisuelles Puzzle-Werk, das seinem Gegenstand vollauf gerecht wird und für Zappa-Kenner_innen ebenso interessant ist wie für all jene, die den Rockmusiker erst (näher) kennenlernen.

"I'm famous, but most people don't even know what I do", meint Zappa in einem Gespräch. So war der Künstler seinerzeit zwar überaus berühmt – jedoch fand weniger seine Musik, sondern in erster Linie sein von Kontroversen begleitetes öffentliches Auftreten die Aufmerksamkeit der breiten Masse. Schüttes Film widmet sich Zappas Œuvre indes mit Hingabe und fängt die Ambitionen und den hohen Anspruch, die Kreativität und Kompromisslosigkeit in Zappas Arbeit mit der gleichen Neugier und Faszination ein wie die Exzentrik und den Humor der bärtig-langhaarigen Ikone. Bei seiner intensiven Recherche stieß Schütte auch auf frühe Aufnahmen – etwa eine Performance aus dem Jahre 1963 in der ABC-Show von Steve Allen, in welcher Zappa zwei Fahrräder als Instrumente nutzte.

Spannungsreich sind nicht zuletzt all jene Passagen, in denen sich der Musiker in Interviews kritisch mit den Themen Politik und Religion in den Vereinigten Staaten befasst. Wenn Zappa extrem scharfsinnig und dabei zutiefst besorgt über die US-Regierung unter dem Republikaner Ronald Reagan spricht – über den zum Rechtsextremen neigenden Moralkodex, den die Regierung vertritt –, wünscht man sich diesen energischen Denker und klugen Redner auch ins Hier und Heute.

Fazit: Ein reizvoll montiertes dokumentarisches Werk, das seinen unorthodoxen Protagonisten für sich selbst sprechen (sowie singen und musizieren) lässt. Sehr sehens- und hörenswert!





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