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Eine schöne Bescherung
Eine schöne Bescherung
© Arsenal

Kritik: Eine schöne Bescherung (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Im Grunde ist Helena Bergströms Weihnachtdramödie "Eine schöne Bescherung" einer dieser typischen Filme über den ganz normalen Familienwahnsinn: Gleich eine ganze Reihe eigensinniger Figuren trifft hier nicht ganz freiwillig, aufgrund sozialer Erwartungshaltungen aufeinander – und natürlich hat so jeder der Beteiligten seine eigenen Nöte und Sorgen im Gepäck. Die Stimmung ist passenderweise von der ersten Szene an aufgekratzt und überdreht, was vor allem dank der dynamischen Kamera sowie den sprudelnden Dialogen deutlich wird.

Innovationen oder originelle Einfälle sucht man allerdings vergeblich, "Eine schöne Bescherung" setzt trotz seiner vermeintlichen Skurrilität ganz auf Wiedererkennung: Wer homophobe Väter, trinkfreudige Großmütter oder den Kulturschock, den ein Muslim am Heiligabend auslösen kann, nicht aus dem echten Leben kennt, der hat Ähnliches zumindest in vergleichbaren Filmen schon unzählige Male erleben dürfen. Dass die Figuren allesamt eindimensionale Stereotype sind, stört zumindest zu Beginn wenig: Die angespannte Weihnachtsatmosphäre wird gut vermittelt und viele Gags sitzen.

Mit voranschreitender Laufzeit machen sich jedoch schnell Ermüdungserscheinungen breit und die Schwächen von Bergströms Film werden auffälliger. Der Dramaturgie gelingt es nicht, die vielen Figuren und Handlungsstränge zu bändigen, sodass sich die Dramödie zunehmend in Beliebigkeit verliert, statt Pointen und dramatische Höhepunkte zu setzen. Dementsprechend hilflos erscheint bisweilen auch der Schnitt, der lustlos zwischen Szenen springt und für so manchen holprigen Übergang sorgt.

Die flachen Figuren, die im komödiantischen Teil noch überzeugen konnten, werden zudem vollkommen unglaubwürdig, sobald "Eine schöne Bescherung" ernstere Töne anschlägt und versucht in psychologische Tiefen vorzudringen. Zum Finale hin landet der Film dann vollkommen in banalem Kitsch und stürzt sich völlig unmotiviert von einer homophoben Hasstirade ins Weihnachtsmärchen.

Fazit: Während dieser schwedische Weihnachtsfilm zu Beginn noch mit einigen gelungenen Gags sowie seiner aufgekratzten Stimmung punkten kann, schwächelt "Eine schöne Bescherung" vor allem in den ernsteren Momenten. Die Figuren bleiben eindimensionale Stereotype und der Dramaturgie gelingt es nicht, Höhepunkte zu setzen. Das aufgesetzt wirkende Finale raubt der Dramödie schließlich auch den letzten Rest Glaubwürdigkeit.




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