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The Girl with all the Gifts
The Girl with all the Gifts
© Universum Film © SquareOne

Kritik: The Girl with all the Gifts (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Heutzutage noch einen innovativen Zombiefilm zu drehen, scheint bereits angesichts der schieren Quantität der vergangenen Jahre ein Ding der Unmöglichkeit. Aber auch die Qualität mancher Vertreter des Subgenres in und außerhalb des Kinos – an dieser Stelle seien stellvertretend lediglich der Comic "The Walking Dead" und die daraus entstandene Fernsehserie genannt – macht es zunehmend schwerer, noch etwas Neues zu erzählen. Regisseur Colm McCarthy ist es mit "The Girl with All the Gifts" nun zumindest gelungen, einen inhaltlich spannenden Ansatz zu finden. Denn die Titelfigur seines Films ist nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung.

Während klassische Vertreter des Subgenres klar in Gut und Böse trennen, die Welt in denkende und fühlende Lebende und hirn- und seelenlose Untote aufteilen, ist die Lage in "The Girl with All the Gifts" deutlich komplexer. Das Mädchen Melanie (Sennia Nanua) wurde bereits im Mutterleib infiziert, mutiert deshalb nicht vollständig. Wie ihre hirnlosen Artgenossen, die in diesem Film "Hungries" heißen, ernährt auch sie sich von lebendigem Fleisch, bedient sich dabei aber ihres Verstandes. Weil sie kein "Hungry" sein möchte, versucht sie ihren Mord- und Fresstrieb zu unterdrücken. Statt Menschen verspeist sie Tiere. Der Zombie als soziales Wesen, das zwischen Moral und Trieb ringt – gänzlich neu ist zwar auch dieses Szenario nicht, so konsequent zu Ende gedacht wie in "The Girl with All the Gifts" wurde es in einer Großprodution aber noch nie.

Dementsprechend ist "The Girl with All the Gifts" weitaus weniger Horror- oder Endzeitfilm als Coming-of-Age-Drama. Da verzeiht ihm das Publikum auch die eine oder andere visuelle Schwäche. Menschenleere, von der Natur zurückeroberte Metropolen hat man beispielsweise schon deutlich faszinierender auf der großen Leinwand gesehen. Auch die genreüblichen Elemente von der ersten Attacke über die gemeinsame Flucht in der Gruppe bis zur tödlichen Suche nach Nahrung, auf die Regissuer Colm McCarthy nicht völlig verzichten mag, sind solide inszeniert. Die weitaus größere Spannung liegt allerdings in der Frage, wie sich Melanie am Ende entscheidet. Die Antwort dürfte viele Zuschauer überraschen.

Fazit: "The Girl with All the Gifts" erfindet den Zombiefilm zwar nicht neu, rückt aber einen Aspekt in den Mittelpunkt, den die meisten Vertreter dieses Subgenres völlig vernachlässigen: den Untoten als denkendes Wesen. Allein das lohnt einen Kinobesuch.





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