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Kritik: Surprise (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser zweite Spielfilm des holländischen Oscar-Regisseurs Mike van Diem ("Karakter") erweist sich als ein herrlicher Spaß. Basierend auf einer Kurzgeschichte des niederländischen Schriftstellers Belcampo erzählt er von zwei Menschen, die ihren Tod in Auftrag geben. Als sie sich ineinander verlieben, wollen sie den Profikillern aber entkommen, die sie angeheuert haben. So nimmt eine schräge, schwarzhumorige Komödie ihren Lauf, die ihrem etwas sonderbaren Pärchen einige Verfolgungsjagden und wildes Herzklopfen beschert. Wenn man glaubt, den Fortgang der Handlung erahnen zu können, gibt es garantiert eine überraschende Wendung.

Wenn der Geschäftsführer der außerhalb der Legalität, aber sehr diskret agierenden Firma Jacob rät, seine gebuchte "Reise" zu genießen, meint er damit den Rest seines Lebens. Jeder Tag könnte sein letzter sein, und gerade diese Ungewissheit, die zu seinem Sterbemodell "Surprise" gehört, vermag vielleicht auf paradoxe Weise die Lebensgeister zu wecken. Sollte das aber gelingen, gibt es aber trotzdem paradoxerweise kein Zurück! Nicht nur diese Konstruktion, sondern auch die kleinen Ideen und die gesamte Inszenierung erweisen sich als reizvoll und spannend. Wenn Jacob beispielsweise ungeduldig mit dem Fernglas in den Schlosspark späht und den dort vermuteten Killern zuruft, dass sie nun kommen könnten, ist das urkomisch.

Jeroen van Koningsbrugge spielt den Schlosserben trotz seiner anfänglichen Emotionslosigkeit als sympathischen Mann. Mit seiner steifen, unbeholfenen Art weckt Jacob Mitgefühl, das sich noch steigert, sobald der Zuschauer den Grund für sein psychisches Manko erfährt. Auch wenn es dann plötzlich turbulent wird in Jacobs Leben, etwa weil ihn zwei Männer mit Schusswaffen jagen, neigt er weiterhin zum Understatement, zur zurückhaltenden Verwunderung. Diese Eigenschaft findet Eingang in eine Fülle komischer, gut getimter Pointen.

Einen besonderen Reiz bildet die blaublütige Vornehmheit Jacobs und seiner Residenz, die sich auch in der gediegenen Musikauswahl für den Soundtrack spiegelt. Diese Eleganz steht in wirkungsvollem Kontrast zum makabren Geschehen. Und auch die ominöse Firma hat mehr als ein Gesicht mit ihren mal himmlisch-allwissenden, dann wieder irdisch-kriminellen Zügen. Das Rätselhafte gehört eben zum Programm dieses spaßigen, leichtfüßig aus der Reihe tanzenden Films.

Fazit: Diese schwarzhumorige, skurrile Romantikkomödie des niederländischen Regisseurs Mike van Diem stellt sich als köstlicher Spaß heraus. Die Versuche zweier Frischverliebter, die von ihnen selbst beauftragten Sterbehelfer wieder loszuwerden, werden durch überraschende Wendungen wiederholt in neue Bahnen gelenkt. Mit sicherem Gespür für Timing und leichtfüßigem Elan führt die Dramaturgie das merkwürdige Pärchen durch einen Parcours aberwitziger Ideen.





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