VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Träume vom Fliegen
Träume vom Fliegen
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Träume vom Fliegen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Girls don’t fly" legt die Österreicherin Monika Grassl ihren Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg vor. Die 35-jährige, in Wien geborene Regisseurin durchlief bisher drei Studiengänge erfolgreich: in Wien studierte sie Publizistik, an der Fachhochschule St. Pölten Medienmanagement und Regie an der Filmakademie. Dort spezialisierte sie sich auf "Dokumentarfilm". "Girls don’t fly" gewann als beste Dokumentation das diesjährige Filmfestival "Max-Ophüls-Preis", eines der wichtigsten Festivals hierzulande für den jungen deutschen Film.

Auf eindringliche Weise prallen in dem beachtlichen Debüt der jungen Filmemacherin Grassl zwei Welten aufeinander: die Motivation und der unbedingte Drang der ehrgeizigen afrikanischen Mädchen, die bereit sind, für ihr großes Ziel – der Armut ihrer Heimat regelrecht davon zu fliegen – alles zu geben. Das Mädchen Lydia singt an einer Stelle des Films ein Lied, dessen Zeilen das Motto der bemerkenswerten jungen Frauen vorzugeben scheinen: "wenn du schon träumst, träume groß". Dieser unbedingte Wille trifft auf den Drill und die eiserne Härte eines westeuropäischen Ausbilders, der den Mädchen einiges abverlangt. Aus diesem Kontrast ergeben sich spannende, mitreißende Situationen und Momente.

Letztlich zeigt der Film aber auch, dass es für die zehn Mädchen um mehr geht, als "nur" einen Beruf zu lernen. Um viel mehr. Es geht darum, Selbstvertrauen und Stärke zu entwickeln, den Glauben an sich selbst und an die eigenen Fähigkeiten. Denn all dies brauchen sie – nicht nur im Rahmen der Ausbildung sondern auch darüber hinaus, im wahren Leben. Und dieses wahre Leben sieht für sie eigentlich nur eines vor: ein Dasein in Armut und ohne Bildung, als Hausfrau und Mutter. Die erste und einzige Flugschule des Landes bietet ihnen die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen.

Dass dieser Wunsch der Mädchen nicht gerade auf Verständnis bei Gleichaltrigen oder ihren Familien stößt, erklärt sich von selbst. Die jungen Frauen erkämpfen sich dennoch förmlich das Recht darauf, Bildung zu erfahren und einen Beruf zu erlernen. Und das ist wohl die wichtigste Botschaft des Films: "Girls don’t fly" zeigt, dass man – selbst wenn für einen bereits der Weg in traditionellen Bahnen vorgezeichnet ist – oftmals immer noch selbst dafür sorgen kann, etwas aus sich und seinem Leben zu machen. Auch in einem afrikanischen Staat wie Ghana. Und auch wenn man am Ende vielleicht nicht Pilotin wird, so hat man doch viel über sich und seine Stärken gelernt.

Fazit: Entschlossene, beeindruckende Doku über ein spannendes, wenig bekanntes Thema, in der zwei Welten aufeinander prallen: afrikanische Entschlossenheit und Motivation sowie europäische Härte und harter Drill.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.