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In Zeiten des abnehmenden Lichts
In Zeiten des abnehmenden Lichts
© X Verleih © Warner Bros.

Kritik: In Zeiten des abnehmenden Lichts (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer Literatur verfilmt, die das Maß einer Kurzgeschichte überschreitet, steht vor dem Problem der Reduktion. Was erzählen, was weglassen, um keinen endlos langen Film zu erhalten? Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ("Solo Sunny", "Als wir träumten") hat sich dafür entschieden, die 50 Jahre umfassende Familiengeschichte aus Eugen Ruges Vorlage auf eine Geburtstagsfeier zu verdichten, bei der alle Generationen vertreten sind. Eine mutige, letztlich aber eine unglückliche Entscheidung.

Zwar kommt auch Ruges Montageroman wiederholt – insgesamt sechs Mal – auf Wilhelm Powileits 90. Geburtstag zurück. Und auch in der Vorlage laufen in dieser Feier aus verschiedenen Perspektiven Handlungsstränge und Konfliktlinien zusammen, verdichtet sich das Abbild einer untergehenden Gesellschaft (ironisch) überspitzt in den Räumen des Ehepaars Wilhelm und Charlotte. Von den Familienmitgliedern, von ihrer Vor- und Lebensgeschichte erfährt das Publikum jedoch allzu wenig. Ein Perspektivwechsel bleibt aus.

Dabei bieten sich Drehbuchautor Kolhaase und Regisseur Matti Geschonneck gleich mehrfach Gelegenheiten, das Kammerspiel aufzubrechen. Fotografien an den Wänden, Mitbringsel aus Mexiko und der Sowjetunion scheinen wie gemacht, den Lebensweg der Charaktere über Rück- und Vorblenden zu bebildern. Denn Ruges Roman endet keineswegs 1989, sondern reicht bis ins Jahr 2001. Das hätte den Film zwar sichtlich verlängert, die Geburtstagsfeier bietet in ihrer jetzigen Form aber auch genügend Leerstellen zur Kürzung.

Geschonneck und Kohlhaase entscheiden sich stattdessen für die Geschlossenheit. Die gibt all die Schwerfälligkeit, Müdigkeit und das Überkommene der Deutschen Demokratischen Republik in ihren letzten Atemzügen wunderbar wieder, deutet all die Lebenswege, -lügen und (politischen) An- und Einsichten aber nur an.

Fazit: Regisseur Matti Geschonneck und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase haben Eugen Ruges 50 Jahre umfassende Familienchronik zu einem Kammerspiel verdichtet. Dieser mutige Entschluss zeigt zwar gekonnt all die Probleme eines untergehenden Systems, die Lebensläufe der Figuren mit all ihren Lebenslügen kommen aber deutlich zu kurz. Wer den Roman liebt, wird nur noch einen Bruchteil davon auf der Leinwand wiedererkennen.





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