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Kritik: Keeper (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur Guillaume Senez gibt mit "Keeper" sein Langfilmdebüt. Der Titel hat gleich mehrere Bedeutungen. Zum einen wird der englische Begriff auch in Belgien für einen Torhüter verwendet, beschreibt also Maximes (Kacey Mottet Klein) Position auf dem Fußballplatz. Zum anderen geht von dem 15-Jährigen die Initiative aus, das Kind mit seiner Freundin Mélanie (Galatea Bellugi) zu behalten, am Vaterwerden festzuhalten. Und nicht zuletzt drückt sich darin die Perspektive aus, aus der Senez sein Drama erzählt.

Der Filmemacher ist dicht dran an diesem jungen Liebespaar. Die agile Kamera, der Verzicht auf klassische Filmmusik und auf ein festes Drehbuch verleihen "Keeper" einen authentischen, fast dokumentarischen Charakter. Der Fokus auf den männlichen Hauptdarsteller, gepaart mit Senez' gut gemeinter Absicht, für seine Figuren kein "Innenleben zu konstruieren", wie der Regisseur es formuliert hat, macht es dem Publikum aber auch (unnötig) schwer. Was in den beiden Jugendlichen vorgeht, müssen sich die Zuschauer selbst erschließen. Auf Mélanies wechselvolles, teils sprunghaftes Verhalten können sie gemeinsam mit Maxime dann nur verduzt reagieren.

Dieser objektive Blick ist zwar ein zutiefst demokratischer, der es jedem Einzelnen selbst überlässt, auf welche Seite er oder sie sich in diesem Drama stellt. Dadurch beraubt sich "Keeper" aber auch einer nötigen Schärfe. Die Streitereien des Paars sind hierfür zu wenig – zumal sie gutes Schauspiel mit der Lautstärke beim gegenseitigen Anbrüllen verwechseln. Und so verharrt dieser Film in großen Teilen zu sehr an der Oberfläche seiner Figuren, dass es einem schlicht schwerfällt, sich überhaupt für eine Seite entscheiden zu wollen.

Fazit: "Keeper" ist ein ambitioniertes Langfilmdebüt, das sich behutsam eines sensiblen Themas annimmt. In seiner Absicht, möglichst objektiv zu erzählen, verwehrt Regisseur Guillaume Senez seinem Publikum jedoch den Blick ins Innere seiner Figuren, was eine Identifikation mit ihnen erschwert.




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