VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Untitled (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Michael Glawoggers dokumentarisches Schaffen war stets eine Großunternehmung. Für seine Trilogie "Megacities" (1998), "Workingman's Death" (2005) und "Whore's Glory" (2011) bereiste er weite Teile der Welt, wollte nichts Geringeres, als deren Zustand beschreiben. Ein Projekt wie "Untitled", das sich vollkommen von einer thematischen Vorgabe löst, scheint nur die logische Konsequenz dieser Arbeitsweise. Die von Monika Willi nach dem Tod des Filmemachers erstellte Fassung ist ein würdiges Vermächtnis.

Das Ergebnis atmet durch und durch Glawoggers Geist. Wie in seinen vorangegangenen Dokumentarfilmen beobachtet auch "Untitled" das Geschehen (größtenteils) kommentarlos. Es gibt weder Interviewpartner noch Untertitel, wenn Attila Boas Kamera das nächtliche Treiben auf einem afrikanischen Markt durchdringt, auf dem Balkan an Fassaden mal neuer, mal zerschossener Häuser vorüberfährt, Männern beim Ringen im Sand, beim Fußballspiel auf Krücken am Strand oder im Badehaus bei ihren komischen Verrenkungen zusieht. Willis Montage gleitet unvermittelt von einem Ort zum nächsten. Über wiederkehrende Motive stellt sie Bezüge her, arbeitet aber auch Unterschiede heraus. Woher die Menschen stammen und was sie miteinander reden, ist unerheblich. Das Publikum versteht es auch ohne erläuternde Einblendungen.

Hier kommt "Untitled" dem Ideal eines unmittelbaren, nicht durch narrative Überformungen verstellten Blicks auf die Welt sehr nahe – auch wenn ein solcher Blick nie zu erreichen sein wird. Allein auf die Kraft der Bilder und ihre Montage mochte sich Willi letztlich aber nicht verlassen. Schauspielerin Birgit Minichmayr spricht einige von Michael Glawoggers Texten, die dieser während seiner Reise für die Blogs zweier Tageszeitungen verfasst hat. Gepaart mit Wolfgang Mitterers Musik, die der Komponist mit Originalklängen der Aufnahmen zu Soundcollagen verbindet, driftet "Untitled" wiederholt ins bedeutsam Überhöhte ab, wo er besser auf dem Boden geblieben wäre.

Fazit: "Untitled" ist das von Cutterin Monika Willi beeindruckend montierte Vermächtnis des 2014 verstorbenen Michael Glawogger. Ohne vorgegebenes Thema nimmt der Dokumentarfilm seine Zuschauer mit auf eine Reise von Österreich bis nach Liberia. Der Fluss der Bilder ist faszinierend, das Fragmentarische des Projekts bleibt aber stets zu erkennen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.