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Mulan
Mulan
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Mulan (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die uralte chinesische Ballade einer tapferen jungen Frau, die als Mann verkleidet in den Krieg zieht, fand bereits 1998 Eingang in einen Disneyfilm. Jenes Animationsabenteuer war sozusagen ein Vorläufer späterer Disneyfilme über starke Mädchen und Frauen, die auch in der Rolle von Märchenprinzessinnen nicht länger auf die Errettung durch einen Mann warten. Nun hat sich Disney erneut des chinesischen Stoffs angenommen und ihn als Realfilm von der neuseeländischen Regisseurin Niki Caro ("Whale Rider") inszenieren lassen. Das Ergebnis ist ein ernster, aber nicht humorloser Film mit beachtlichen Schauwerten und einem glaubhaften Interesse an der chinesischen Kultur.

Die junge Darstellerin Liu Yifei verleiht Mulan eine zarte, verletzliche Aura, die aber nicht wirklich im Widerspruch zu ihrer Stärke und Kampfkunst steht. Einmal wird erklärt, dass Mulan ihr Chi findet, ihre innere Kraftquelle, die sie praktisch über sich hinauswachsen lässt. Der Vogel Phönix, der Mulan manchmal begleitet, steht, auch wenn er an die "Harry Potter"-Filme erinnert, hier für weibliche Energie. Bei ihrem Bataillon muss Mulan aber zunächst höllisch aufpassen, dass die Soldaten sie auch stets für einen Mann halten und auch der junge Honghui (Yoson An) den wahren Grund für sein Interesse an ihr nicht entdeckt.

Die Umkehr der Rollenerwartungen durch Mulan und ihr Versteckspiel bieten dem Film Gelegenheit zu Situationskomik. Aber der Moment, in dem sich Mulan offen emanzipiert, ist wiederum von feierlichem Ernst geprägt. Bewegende, würdevolle Szenen prägen diesen Film. Die neu eingeführte Figur der feindlichen Magierin Xianniang greift ebenfalls das Thema der weiblichen Emanzipation auf und erinnert dabei an die böse Märchenfee "Maleficent". Denn wie diese ist sie im Grunde eine ausgegrenzte Person, der Unrecht geschah.

Die Kampfkunst, die häufig mit dem Schwert, aber auch mit Pfeil und Bogen ausgeführt wird, erinnert stark an fernöstliche Martial-Arts-Filme. Manchmal sind die akrobatischen Einlagen, auch in Zeitlupe, ins Übernatürliche gesteigert. Drei Stars der Kampfkunst-Action, Jet Li, Donnie Yen und Jason Scott Lee, lassen in wichtigen Rollen grüßen. Die Ausstattung mit ihren historischen Bezügen, die wunderbaren Landschaften, die der Film in China und Neuseeland fand, sowie die chinesisch gefärbte Filmmusik runden den Eindruck eines gelungenen, schön komponierten Werks ab.

Fazit: Unter der Regie von Niki Caro entfaltet der von einer uralten Legende erzählende Realfilm, der sich mehr als nur flüchtig für chinesische Kulturtraditionen interessiert, einen würdevollen Zauber. Die Geschichte der begnadeten Kriegerin Mulan, die sich als Mann verkleidet zur Armee begibt, um das Leben ihres Vaters und das des Kaisers zu schützen, wird als ernster, durchaus zeitgemäßer Emanzipationsstoff erzählt. Überzeugende Leistungen namhafter Darsteller, gefühl- und humorvolle Momente, elegante Kampfkunst in imposanter Landschaft tragen zum Gelingen dieses schön komponierten Werks bei.








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