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Fairness - Zum Verständnis von Gerechtigkeit
Fairness - Zum Verständnis von Gerechtigkeit
© mindjazz pictures

Kritik: Fairness - Zum Verständnis von Gerechtigkeit (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Filmemacher und Kameramann Alex Gabbay bereiste für seinen Dokumentarfilm die halbe Welt. So machte er sich nicht nur auf den Weg nach Norwegen, Kanada und in die USA, sondern begab sich auch nach Costa Rica oder Island. Dort traf er auch auf gesellschaftliche Entwürfe und Versuchsanordnungen die es schaffen wollen, ihr soziales Miteinander anders – nämlich fairer – zu organisieren. Für Gabbay ist "Fairness" die zweite Kino-Doku, nachdem er mit "The Just Trail and Error" vor sieben Jahre sein Regie-Debüt vorlegte. Er fungiert bei seinen Filmen ebenso als Kameramann und Produzent.

Die Interviewpartner und Experten, die Gabbay für seinen Film aufsuchte, sind genauso vielseitig und beachtenswert, wie die Projekte, Experimente und Versuchsanordnungen, die er beobachtet. Ganz zu Beginn sind wir zu Gast in Norwegen. Dort sind zwei Experten auf dem Gebiet der Ursachenforschung von Ungerechtigkeit und Ungleichheit in der Gesellschaft, dabei, mit Studenten ein soziales Experiment durchzuführen. Eine Erkenntnis: BWL-Studenten sind am ehesten auf Leistung und Gewinnmaximierung getrimmt und darauf aus, dies zu erreichen. Die beiden Forscher vertreten u.a. die Ansicht, dass unsere auf Leistung ausgerichtete Gesellschaft und Umwelt bereits Kindern eintrichtert, zu aller erst auf den eigenen Erfolg zu schauen.

Äußerst spannend gerät auch der Besuch bei einer Psychologie-Professorin an der kanadischen University of British Columbia. Ihre Forschungen und Arbeiten über das Gerechtigkeitsempfinden von Kleinkindern sowie die daraus resultierenden Ergebnisse, sind weltweit bekannt und geschätzt. Erstaunlich ist bei ihren Experimenten zu beobachten, wie bereits Kinder deutlich unter fünf Jahren, Entscheidungen auf der Grundlage von Moral treffen. Und: auf der Basis ihres Fairness-Empfindens sowie einer als gerecht empfundenen Belohnung. Sind Dinge wie Gleichheitsdenken und Gerechtigkeitssinn also doch angeboren bzw. zu einem großen Teil genetisch bedingt? Der Film macht deutlich: höchstwahrscheinlich ja, zumindest klare Tendenzen dazu.

Das spricht für den Menschen als generell "gutes" Lebewesen, der erst durch seine Umwelt, Mitmenschen, gesellschaftliche Anforderungen, Leistungsdruck etc., egoistisches und unfaires Verhalten "lernt". Weitere erhellende Erkenntnisse und vielschichtige Einblicke in die Thematik liefern u.a. der Vorsitzende des Londoner Gerechtigkeits-Kommitees, das mit der Erforschung der Zufriedenheit von Londons Einwohnern betraut ist. Oder eine ehemalige, enorm erfolgreiche Investmentbankerin, die ihren Job aufgab und eine Non-Profit-Organisation gründete. Jetzt bringt sie Menschen mit wenig Einkommen bei, sich gesund und kostensparend zu ernähren und bewusster zu kochen.

Bei allem Gezeigten hält sich Regisseur Gabbay mit Kommentaren oder der eigenen Meinung konsequent zurück. Der Zuschauer wird dadurch zum eigenen Denken und Reflektieren dieses wichtigen, universellen Themas, aufgefordert. Etwas, das uns alle betrifft: ob im Beruf, Sportverein, an der Uni, in der Schule oder im täglichen Zusammenleben mit der Familie.

Fazit: Erhellende, vielschichtige Doku über die Themen Fairness und Gerechtigkeit, die von seinen spannenden Protagonisten und Interviewpartnern lebt.




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