VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Forget About Nick (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta ist seit Beginn ihre Karriere als Filmschaffende, auf starke, kämpferische Frauenfiguren spezialisiert. So führte sie etwa beim Klassiker "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" Co-Regie, später inszenierte sie Filme wie "Rosenstraße" oder "Hannah Arendt", in denen mutige Frauen im Mittelpunkt stehen. Für die Hauptrolle in "Forget about Nick" war ursprünglich Barbara Sukowa vorgesehen, mit der von Trotta bis heute viele Produktionen realisierte. Von Trotta gehört zu den profiliertesten Filmschaffenden in Deutschland und ist u.a. Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Deutschen Filmakademie. Nach "High Society" und "Fuck ju Göthe 3", ist Katja Riemann mit "Forget about nick" in diesem Jahr schon zum dritten Mal auf der Leinwand zu sehen.

Wie es für von Trotta typisch ist, dreht sich in "Forget about Nick" wieder alles um unabhängige, selbstbewusste Frauenfiguren: Jade ist – mehr oder weniger – erfolgreiche Geschäftsfrau, Maria hat vor einigen Jahren zumindest die beherzte Entscheidung getroffen, dass ihr die Erziehung des Nachwuchses wichtiger ist, als die akademische Laufbahn. Einen gewaltigen Unterschied im Vergleich zu einem Gros der bisherigen Werke der Berliner Filmemacherin aber gibt es: denn von Trotta zeichnet hier mit den Mitteln der Komödie und nicht des Dramas das Bild zweier Frauen, die (zunächst) nur das frühere Leben mit dem ewigen Macho Nick, gemeinsam haben.

Aus der Unterschiedlichkeit der Frauenfiguren ergibt sich ein großer Reiz, der oft Anlass für einen immer weiter ausufernden Zickenkrieg mit schlagkräftigen und gewitzten Wortgefechten, bietet: die eine schwört auf Diätessen, Smoothies und kalorienarme Ernährung, die andere liebt es eher deftig und süß und frönt lustvoll ihrer Leidenschaft fürs – tägliche – Kuchenbacken. Und während Maria selbstsicher auftritt und mit sich im Reinen scheint, kommt die gerade erst verlassene Jade doch arg labil und angeschlagen daher. Tief getroffen von der Trennung, klammert sie sich an jede Hoffnung, der Ex könnte doch noch zurückkehren. Ingrid Bolsø Berdal und Katja Riemann füllen ihre Rollen insgesamt glaubhaft mit Leben und gerade Riemann glänzt als standhafte, siegesgewisse Ex, die beweist, dass es auch ohne Mann geht.

Leider krankt der Film an zwei Dingen: zum einen sorgt die Tatsache, dass der Film auf Englisch gedreht und deutsch nachsynchronisiert wurde, hier und da für eine steife Künstlichkeit bei den Dialogen. Zum anderen kommt die Grundprämisse des Films doch recht unglaubwürdig daher: welcher Mann sichert seinen beiden Ex-Frauen vertraglich je die Hälfte einer (nicht gerade gemütlichen, stattdessen sehr kühl und steril wirkenden) Wohnung zu? Noch unrealistischer aber ist es, dass Jade und Maria tatsächlich auch beide dort einziehen und sich auf den Zickenkrieg einlassen.

Fazit: Die Darsteller überzeugen mit Spielfreude und Charisma, die Wortgefechte sind unterhaltsam und haben es in sich. Leider krankt der Film an seiner wenig glaubhaften Prämisse und einer etwas unglücklichen Synchronisation, die manche Dialoge doch gestelzt wirken lässt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.