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Dries
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© Prokino © 24 Bilder

Kritik: Dries (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Für die US-amerikanische Stil-Ikone Iris Apfel ist der Belgier Dries Van Noten ein "kostbarer Schatz", den es zu bewahren gilt. Entschlossen blickt Apfel hinter ihren großen Brillengläsern hervor und hält ein Loblied auf den belgischen Designer, der so viel unscheinbarer daherkommt als die schillernde New Yorkerin, die in diesem August 96 Jahre alt wird. "Die Modeindustrie hat sich ihr eigenes Grab geschaufelt", zieht Apfel vor Reiner Holzemers Kamera ein vernichtendes Fazit. Leute wie Dries erhielten sie am Leben und trieben sie voran.

Ob dem tatsächlich so ist, davon können sich modebegeisterte Zuschauer in Holzemers Dokumentarfilm nun selbst ein Bild machen. Auf den ersten Blick wirken die Entwürfe des Belgiers höchstens ein bisschen bunter als die der Konkurrenz. Was jedem Laien aber sofort ins Auge sticht, ist das konzentrierte, bescheidene und völlig allürenlose Auftreten des Modeschöpfers. Vom Flamboyanten einer Iris Apfel, das Van Noten auch für seine eigenen Kollektionen einfordert, von den Gegensätzen, die in seinen Kleidungsstücken aufeinanderprallen sollen, ist bei ihm selbst nichts zu finden. Der Modeschöpfer ist beruflich wie privat nicht nur ziemlich aufgeräumt, sondern wirkt auch stets ein bisschen bieder.

Regisseur Reiner Holzemer setzt Van Noten und dessen Arbeit technisch souverän, aber auch erstaunlich unauffällig in Szene. Von Van Notens Weggefährten ist wie zu erwarten kein schlechtes Wort zu hören. Der Designer selbst antwortet freundlich und kommentiert mit den Aufnahmen seiner alten Modenschauen mal direkt, mal indirekt auch immer ein wenig die Entwicklung der Modebranche. Letztlich hält er den Filmemacher aber auf sicherer Distanz. Trotz der größeren Einblicke in seinen Arbeitsalltag und der sehr beschränkten in seine privaten Gemächer, beschleicht einen das Gefühl, nur einen Bruchteil einer vielschichtigen Persönlichkeit kennengelernt zu haben.

Fazit: Reiner Holzemers Dokumentarfilm "Dries" bietet einen bislang noch ungesehenen Einblick in die Welt des belgischen Modeschöpfers Dries Van Noten. Der handwerklich routinierte Film kommt seinem Protagonisten zwar nahe, kratzt dabei aber nur an der Oberfläche und bietet keinerlei Überraschungen.




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