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Dalida
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Kritik: Dalida (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In Zeiten von Facebook, Twitter & Co. dürfte der Name Dalida bei der jungen Generation nur ein Schulterzucken hervorrufen. Den Älteren klingen Hits wie "Bambino", "Am Tag, als der Regen kam" oder "Gigi l'amoroso" auch heute noch im Ohr. Mehr als 150 Millionen verkaufte Tonträger stehen am Ende dieser beispiellosen Karriere, die 1987 in Paris viel zu früh erlosch. Doch nicht nur deshalb ist Dalidas Leben filmreif. Dem beruflichen Erfolg standen stets private Tragödien entgegen, die sich ein Drehbuchautor nicht dramatischer hätte ausdenken können. Dementsprechend schlägt Regisseurin Lisa Azuelos ("LOL", "Ein Augenblick Liebe") in ihrem jüngsten Werk einen tieftraurigen Ton an.

Tragisch ist bereits der Einstieg. Lisa Azuelos beginnt nicht von vorn mit der Geburt, sondern mit der ersten Wiedergeburt der Künstlerin (Sveva Alviti), als im Februar 1967 ein Selbstmordversuch scheitert. Auslöser ist der Suizid von Dalidas damaligem Lebensgefährten, dem Sänger Luigi Tenco (Alessandro Borghi). Von hier aus entflicht das Drehbuch, das auf der einzigen offiziellen Biografie der Sängerin beruht, ein feines Gespinst aus Rückblenden, wenn Dalidas Exmann und Entdecker Lucien Morisse (Jean-Paul Rove), ihr Exgeliebter Jean Sobieski (Niels Schneider) und ihr Bruder und Produzent Bruno (Riccardo Scamarcio) den Ärzten im Sanatorium von Dalidas Höhen und Tiefen berichten. Erst danach schreitet dieses Melodrama chronologisch voran.

Auch wenn die Dramaturgie im Anschluss an Originalität verliert und die etwas zu perfekt geratene Reinszenierung des Vergangenen dem Drama eine gewisse Künstlichkeit verleiht, ist "Dalida" absolut sehenswert. Das liegt zum einen an Hauptdarstellerin Sveva Alviti, die in ihrer ersten großen Rolle alle schauspielerischen Register zieht und das Publikum zu Tränen rührt. Zum anderen bringt Lisa Azuelos dieses Leben versiert und mit viel Stilwillen auf die große Leinwand. Schnittsequenzen raffen virtuos die Zeit. Parallelmontagen von Dalidas Privatleben und ihren Auftritten begreifen ihre Musik als Spiegel ihrer Seele. Wenn die Sängerin in ihrem unnachahmlichen Französisch, das die Konsonanten immer etwas zu hart betont, ihre Balladen haucht, überträgt sich ihr Schmerz in den Kinosaal. Dann spürt das Publikum die unbändige Traurigkeit, die diese Frau umgab und weshalb ihr das Leben am Ende unerträglich wurde.

Fazit: Lisa Azuelos "Dalida" ist ein gelungenes Melodram über das bewegte Leben einer der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, rührt dieser originell erzählte und hervorragend gespielte Film zu Tränen.





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