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Kritik: Space Is the Place (1974)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Vor allem dank Pop-Musikerinnen wie Janelle Monáe und Beyoncé hat das Phänomen "Afrofuturismus" in den letzten Jahren erneut Beachtung durch die breite Öffentlichkeit erfahren. Der Begriff, der Anfang der 1990er-Jahre geprägt wurde, bezeichnet eine kulturelle Ästhetik, die unter anderem Science-Fiction und historische Fiktion mit entschieden afroamerikanischen Perspektiven verbindet. Dank des Kölner Filmverleihs Rapid Eye Movies können Kinozuschauer nun einen Vorreiter des Afrofuturismus auf der großen Leinwand entdecken.

Der legendäre Jazz-Komponist Sun Ra spielt in "Space Is the Place" aus dem Jahr 1974 nicht bloß die Hauptrolle, sondern hat zugleich am Drehbuch mitgeschrieben und ist selbstverständlich auch für den Soundtrack verantwortlich. Der Science-Fiction-Film unter der Regie von John Coney entpuppt sich dabei als passende Entsprechung zu Sun Ras experimenteller, oftmals schwer fassbarer Musik: Versatzstücke des Blaxploitation-Kinos, Sci-Fi-Kitsch, Gesellschaftskritik und Konzertmitschnitte bilden den freischwebenden, dramaturgisch lose gestalteten Kosmos von "Space Is the Place" und dürften manchen Zuschauer sicherlich überfordern.

Die extravagante Mischung aus Esoterik, Politik und Free Jazz erweist sich in der Tat mitunter als nervenzehrende Angelegenheit. Und dennoch kann das sperrige Werk faszinieren: Das liegt nicht zuletzt an der stoischen Präsenz Sun Ras, der das auratische Zentrum dieses chaotischen filmischen Universums darstellt. Als Zeitdokument gibt "Space Is the Place" außerdem Einblicke in eine vergangene kulturelle Epoche, die allerdings bis heute nachwirkt. Die Fragen, die Sun Ra mit seinen rätselhaften Monologen sowie seinen unkonventionellen Kompositionen aufwirft, sind nach wie vor aktuell.

Fazit: "Space Is the Place" ist ein sperrige Werk, das Science-Fiction mit Blaxploitation verbindet und sich damit als perfekte Entsprechung zum musikalischen Werk Sun Ras erweist. Der legendäre Jazz-Komponist und Hauptdarsteller ist das auratische Zentrum dieses mitunter chaotischen Films, der einen Blick zurück in die 1970er-Jahre erlaubt, aber mit seiner Gesellschaftskritik zugleich aktuelle Fragen aufwirft.




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