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Operation Duval - Das Geheimprotokoll
Operation Duval - Das Geheimprotokoll
© temperclayfilm production & distribution GbR

Kritik: Operation Duval - Das Geheimprotokoll (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem schnörkellosen Genre-Stück "Operation Duval – Das Geheimprotokoll" liefert Thomas Kruithof sein Langfilmdebüt als Regisseur und Ko-Drehbuchautor – und beweist dabei ein äußerst feines Gespür für Spannung und Atmosphäre. Sein Werk lässt an diverse Klassiker des Film noir, vor allem aber an das Paranoia-Kino der 1970er Jahre denken – etwa an Alan J. Pakulas Thriller "Zeuge einer Verschwörung" oder an Francis Ford Coppolas kluge Zeitstudie "Der Dialog". Wie in diesen Vorbildern gelingt es Kruithof in seiner Arbeit, das Ohnmachtsgefühl des Individuums eindringlich aufzuzeigen und durchweg eine klaustrophobisch-bedrohliche Stimmung zu erzeugen.

Eine weitere Inspirationsquelle ist Franz Kafkas Roman "Der Prozess", in welchem ein Mann in die unmenschlichen Mühlen der Bürokratie gerät. Die Tätigkeit des Protagonisten Duval, die dieser werktäglich von 9 bis 18 Uhr auszuführen hat, ist mit absurd-strengen Regeln verbunden. Dass Duval diese befolgt, liegt nicht zuletzt daran, dass er den Job nach zweijähriger Beschäftigungslosigkeit wirklich braucht. Kruithof zeichnet ein düsteres Bild – und lässt auf visueller Ebene die Farben immer mehr entschwinden. Ehe sich Duvals Lage in der zweiten Hälfte der Geschichte deutlich zuspitzt (dabei allerdings nie in selbstzweckhafte Action-Einlagen mündet), fängt der Regisseur auch die tägliche Routine in reizvollen Aufnahmen und in einfallsreichen Details ein. "Operation Duval" ist minimalistisch, zugleich jedoch überaus komplex gestaltet.

François Cluzet ("Ziemlich beste Freunde") kann als Hauptdarsteller vollauf überzeugen: Duval ist eine weitgehend passive sowie eigenschaftslose Figur und somit kein typischer Held. Cluzet vermag in seinem Spiel indes die Verzweiflung und Angst des Mannes zu vermitteln. Seine Co-Stars Denis Podalydès, Simon Abkarian und Sami Bouajila verkörpern ihre Parts wiederum mit der erforderlichen Undurchschaubarkeit. Von Alba Rohrwacher ("Die Einsamkeit der Primzahlen"), die als neue Bekanntschaft von Duval auftritt, hätte man gern noch etwas mehr gesehen – ihre Rolle ist letztlich zu sehr auf die Funktion einer damsel in distress beschränkt.

Fazit: Ein spannungsvoller Thriller in der Tradition des 1970er-Jahre-Kinos – clever gefilmt und von François Cluzet bemerkenswert gespielt.




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