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Lady Macbeth
Lady Macbeth
© Koch Media © Die FILMAgentinnen

Kritik: Lady Macbeth (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Lady Macbeth" ist das Langfilmdebüt des theatererfahrenen Regisseurs William Oldroyd. Das Drehbuch stammt von Alice Birch; die ebenfalls bühnenerprobte Autorin verfasste es auf Basis der schon mehrmals verfilmten und auch bereits als Opern-Vorlage dienenden Novelle "Die Lady Macbeth von Mzensk" des russischen Schriftstellers Nikolai Leskov (1831-1895). Dem Duo ist in der Übertragung der Geschichte von der russischen in die englische Provinz des 19. Jahrhunderts ein überwältigendes, erstaunlich fieses Werk gelungen, welches sowohl visuell als auch dramaturgisch zu einem aufregenden Kino-Erlebnis wird.

Dies ist etwa der Bild- und Tongestaltung geschuldet: In wunderbaren Tableaus fangen Oldroyd und seine Kamerafrau Ari Wegner die Landschaft ein, die das abgelegene Anwesen, in dem die Protagonistin Katherine verweilen muss, umgibt – und die von dieser trotz des Verbots des Gatten sowie des Schwiegervaters durchschritten und erkundet wird. Wir sehen die raue Schönheit der Moore und hören das Tosen des Windes; die Kälte der Innenräume ist dabei weitaus beängstigender als die Wildheit der Natur. Auch die Monotonie von Katherines Alltag wird uns brillant vor Augen geführt; wenn Staubkörnchen durch die Luft fliegen und die Geräusche der Uhr die auditive Ebene bestimmen, wird die Ödnis spürbar, die Oldroyd und Wegner zudem in herrlicher Kadrierung erfassen. Das Kostümdrama wandelt sich mehr und mehr zum cleveren Thriller, der an den britischen Master of Suspense Alfred Hitchcock denken lässt. Mit eindrücklicher Radikalität schildert "Lady Macbeth" eine Liebesaffäre jenseits der Norm sowie den unerbittlichen Kampf einer Frau gegen die Unterdrückung. Dabei ist der Film wendungsreich und stets unvorhersehbar.

Die 1996 geborene Britin Florence Pugh, die demnächst in einigen großen Produktionen (etwa in Jaume Collet-Serras "The Commuter") zu sehen sein wird, ist in ihrer ersten Leinwand-Hauptrolle wahrlich sensationell: Sie vermag zu Beginn die sich rasch einstellende Ernüchterung sowie die immer stärker verspürte Langeweile von Katherine überzeugend zu vermitteln; ebenso kann sie die entflammte Leidenschaft der Figur beglaubigen, als diese sich auf die außereheliche Affäre einlässt – und, nicht zuletzt, schafft es das Nachwuchstalent bravourös, die sich steigernde Skrupellosigkeit und Grausamkeit zu zeigen, die Katherine beim Versuch, ihre Ziele zu erreichen, an den Tag legt. So entsteht ein erschreckend-faszinierendes, vielschichtiges Bild einer Persönlichkeit, die weder nur ein Opfer unglücklicher Umstände noch eine durch und durch böse Täterin, sondern ein extrem komplexer Mensch ist. Überdies flankieren Cosmo Jarvis (als Geliebter Sebastian) und Naomi Ackie (als Hausangestellte Anna) die fulminant aufspielende Pugh in ihren zunehmend tragischen Rollen sehr gekonnt.

Fazit: Ein vorzüglich inszeniertes Zeit- und Frauenporträt mit überraschenden Wendungen. Hauptdarstellerin Florence Pugh ist eine echte Entdeckung und hinterlässt mit ihrem facettenreichen Spiel einen tiefen Eindruck.





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