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Kedi - Von Katzen und Menschen
Kedi - Von Katzen und Menschen
© Weltecho

Kritik: Kedi - Von Katzen und Menschen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Kedi" – das ist das türkische Wort für Katze. Die niedlichen Vierbeiner stehen anstelle von porträtierten Menschen im Zentrum der außergewöhnlichen Doku. Regisseurin Torun ließ eigens spezielle Kameras auf kleinen, ferngesteuerten Autos montieren, um die Bilder aus der Perspektive von Katzen drehen zu können. Torun, die selbst aus Istanbul stammt, verbrachte als Kind viel Zeit mit den Istanbuler "Straßenkatzen". Nach ihrem Anthropologie-Studium in Boston, kehrte sie in ihre Heimat zurück und arbeitete als Assistentin des türkischen Regisseurs Reha Erdem.

Die feinfühlige, liebevoll umgesetzte Doku "Redi" macht u.a. klar, dass sich Katzen und Menschen viel ähnlicher sind, als viele vermutlich denken. Denn die sieben Tiere, die hier gezeigt werden, zeichnen sich durch ganz unterschiedliche, für sie typische Verhaltensmerkmale und Eigenschaften aus. Ganz so wie es bei den Menschen der Fall ist, die von den Vierbeinern im Film u.a. wegen einer bevorzugten Leckerei aufgesucht werden. Unter den sieben Katzen sind Tiere, die mal einen eher verfressenen, mal einen verschmusten oder auch einen eindeutig sozialen Charakter haben.

Das merkt man u.a. an ihrem stets bewussten und überlegten Vorgehen, dem vorsichtigen Herantasten oder der schlichten Eleganz ihrer Bewegungen. Dass dies dem Zuschauer derart unmittelbar und – im wahrsten Sinne – auf Augenhöhe präsentiert wird, liegt an der mutigen Entscheidung von Torun, die Perspektive der Katzen einzunehmen. Und diese mit Hilfe eben jener, auf fahrbaren Untersätzen montierten Kameras einzufangen. Die Umsetzung dieses Vorhabens ist (nicht nur technisch) nahezu tadellos gelungen, da dadurch eine rein tierische Sichtweise auf das Leben in Istanbul ermöglicht wird.

Aber auch die vielseitige Stadt und ihren ebenso verschiedenartigen, facettenreichen Bewohner kommen nicht zu kurz. So gibt es u.a. hübsch gefilmte Impressionen von weniger bekannten, eher schmuddeligen Orten und rückständigen Straßenzügen. Aber genauso zeigt Torun Aufnahmen von den allseits bekannten Postkarten-Motiven sowie den prächtigen Moscheen und baut in ihren Film auch erhabene Kamerafahrten über die Dächer der Stadt, ein.

Auch auf diesen bewegen sich die Hauptcharaktere der Stadt, die Katzen, über die die interviewten Istanbuler im Film so einiges Interessantes zu berichten wissen. Etwa, wie eng persönliche Schicksale, so z.B. Krankheiten, oder auch individuelle Sichtweisen auf gesellschaftliche und politische Themen (etwa die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft), von den schmusigen Tieren geprägt und beeinflusst werden.

Fazit: Außergewöhnliche, anmutig gefilmte Doku über sieben tierische Bewohner der türkischen Metropole Istanbul, die ganz neue Einblicke und Perspektiven auf die Stadt und ihre Bewohner, zulässt.





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