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Monika Hauser - Ein Portrait
Monika Hauser - Ein Portrait
© barnsteiner-film

Kritik: Monika Hauser - Ein Portrait (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die beiden Filmemacherinnen Edith Eisenstecken und Evi Oberkofler interviewten Monika Hauser für ihre Doku mehrfach und begleiteten sie auch zu ihrem Hilfsprojekt nach Bosnien. Oberkofler und Eisenstecken, die beide an der Hochschule für Film und Fernsehen München studierten, arbeiteten zuvor gemeinsam u.a. erfolgreich am Schnitt des Spielfilms "Doppelpack" (2000). "Monika Hauser" kommt pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum von medica mondiale im Jahr 2018 in die deutschen Kinos.

Behutsam und gefühlvoll nähern sich die beiden Filmemacherinnen einer außergewöhnlichen Frau, die mit ihrem Engagement Beachtliches geschaffen und erreicht hat. Unzähligen, von Gewalt und Unterdrückung gebrandmarkten Frauen und Mädchen ließ sie durch ihre Organisation Hilfe und Schutz zukommen. Von den ARD-Tagesthemen wurde sie dafür 2001 zur "Frau des Jahres" gewählt. Außerdem gehörte sie 2005 zu den Frauen, die von der Initiative "Friedensfrauen weltweit" für den Friedensnobelpreis nominiert wurden.

Der Film kommt seiner Hauptfigur sehr nahe und erreicht dies in erster Linie durch die vielen intensiv geführten Gespräche, in denen sich Hauser sehr offen über ihre Arbeit und ihre Motivation äußert. Besonders eindringlich gestalten sich die Momente in denen die Frauenrechtlerin von ihrer Familie erzählt. Und davon, dass ihre eigenen Großeltern schon jene Art von Gewalt erfuhren die auch die meisten Frauen erdulden mussten, um die sich Hauser und ihre Kollegen heute kümmern: Gewalttaten und Vergewaltigungen, die gezielt als Kriegswaffe eingesetzt werden. Um die Frauen, und damit den Feind, mundtot zu machen, emotional zu brechen und zu unterdrücken.

Allein weil dieses totgeschwiegene Thema – Gewalt an Frauen als gezielte Kriegswaffe – durch den Film Öffentlichkeit erfährt, wird dieser Doku eine Daseinsberechtigung zuteil. Stilistisch und inszenatorisch beweisen Oberkofler und Eisenstecken zudem Vielfalt und Kreativität: der Film beinhaltet Archivaufnahmen aus der Anfangszeit von "medica mondiale" in Bosnien, zeigt in Zwischensequenzen schemenhaft Personen in Verbindung mit eingeblendeten Zitaten, Interviews mit Weggefährten sowie erhabene Aufnahmen betörend schöner Landstriche, in denen sich jedoch die schlimmsten Verbrechen zugetragen haben. Ein verstörender Widerspruch.

Fazit: Nachhaltige, ungeschönte Doku über eine mutige Frau und ihr Lebensprojekt, ohne falsche Sentimentalität und Pathos umgesetzt.




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