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Der Nobelpreisträger
Der Nobelpreisträger
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Der Nobelpreisträger (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Der Nobelpreisträger" feierte seine Premiere im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen von Venedig, bei denen Oscar Martinez als bester Hauptdarsteller prämiert wurde. Der Film lief dort im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen. "Der Nobelpreisträger" stammt von dem Regie- und Produzenten-Duo Gastón Duprat und Mariano Cohn. Die Beiden realisieren seit vielen Jahren gemeinsam Filme für Kino und TV. Ihren größten Erfolg feierten die Argentinier bisher mit "The man next door" (2010).

Die bissige Satire dreht sich um Themen wie Ruhm, Inspiration und (provinziellem) Starkult, geht aber auch z.B. der Frage nach, ab wann ein literarisches Werk eigentlich als Kunst gilt. Und ob Auszeichnungen und Ehrungen für das eigene Lebenswerk und die eigene Arbeit, hilfreich oder eher schädlich sind. Stellen sie nicht vielleicht auch eine Bürde dar? Denn so scheint es in gewisser Weise auch dem weltweit renommierten Star-Autor Daniel Mantovani zu gehen, der mit der Überreichung des Literaturnobelpreises alles erreicht hat. Seit Jahren schon hat er nichts mehr veröffentlicht und insgeheim hasst er es, von allen hofiert, verehrt und regelrecht angeschleimt zu werden.

Oscar Martinez legt seine Filmfigur als verbitterten, einsamen und von Sarkasmus durchzogenen Eigenbrötler an. Ein Mann in seinem letzten Lebensabschnitt, der kinderlos und ohne Frau geblieben ist. Ein Preis für den Ruhm und den Erfolg als Autor? Auch diese Frage lässt der Film unterschwellig an der einen oder anderen Stelle anklingen. Viel deutlicher aber tritt ein anderer Aspekt – ein Kerninhalt – zu Tage. Die Tatsache nämlich, dass die Grenze zwischen "lokalem Held" und einem Nestbeschmutzer oft fließend ist. Jemand, der das Kind beim Namen nennt und die eigenen Wurzeln sowie die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, aus denen er selbst stammt, kritisch beäugt. Und der "Heimat" damit den Spiegel vorhält.

Genau das tat Daniel, als er sich beim Schreiben vom früheren Leben in der argentinischen Pampa (er verbrachte die ersten 20 Lebensjahre dort), beeinflussen ließ. Und damit haben so manche im Dorf ihre Schwierigkeiten. Ebenso mit der Tatsache, dass Daniel – so die Ansicht vieler Einwohner – auf ihre Kosten zu Ruhm und Reichtum gelangte. Deutlich wird das im Film durch viele schwarzhumorige Szenen und bissige Momente. Etwa, wenn Daniels Denkmal im Park aufs übelste beschmutzt oder ihm ganz unmittelbar von einem Bewohner Verleumdung vorgeworfen wird. Hier wird das ganze schizophrene, von Missgunst geprägte Verhalten sowie das von Argwohn durchzogene Denken der Gemeinschaft deutlich. Denn am Anfang noch überschütteten sie den berühmtesten Sohn der Stadt mit Komplimenten und Liebesbekundungen oder konnten nicht genug davon bekommen, sich mit ihm Ablichten zu lassen.

Fazit: Bitterböse, schwarzhumorige Satire über Starkult, Neid und den Ursprung von Kreativität, die von einem großartigen Hauptdarsteller getragen wird.





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