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Austreten
Austreten
© Schmidbauer-Film

Kritik: Austreten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Geschwister Andreas und Tanja Schmidbauer haben eine bayerische Mundart-Komödie inszeniert, die in flottem Tempo zwischen Roadtrip, Heimatfilm und Politsatire mäandert. Sie malt frech und unbeschwert das Szenario eines angekündigten Austritts Bayerns aus Deutschland an die Wand. Dabei treibt dieser kabarettistische Plot das in Bayern immer wieder auftauchende Phänomen der Eigenwilligkeit auf die Spitze, beispielsweise die gelegentlich von den Landesregierungen geäußerte Drohung einer Spaltung der CDU/CSU-Union. Und er greift auch innerbayerische Sezessionswünsche satirisch auf, wie sie von Zeit zu Zeit aus Franken zu vernehmen sind. Aber der politische Fauxpas des Ministerpräsidenten Reitmayer, in einer Pressekonferenz das Wort "Austreten" zu benutzen und die anderen rätseln zu lassen, dient der Komödie im Grunde nur als Aufhänger, um dann ihre Protagonisten und das Publikum auf eine Reise durch Bayern zu schicken.

Denn weniger als um Reitmayer selbst geht es zumindest streckenweise um seine Tochter Kathi, die den untergetauchten Vater sucht. Kathi lernt für das Abitur – was ihr bärbeißiger Onkel mit den Worten kommentiert, das brauche man zum Heiraten und Kinderkriegen nicht. Sie steigt gerne auf die Chiemgauer Berge und besucht Oma und Opa auf der Berghütte. Auch beim Bruder und dessen Stadt-WG samt veganer Mitbewohnerin lässt sie sich häufig blicken. Und dann fahren die Geschwister mit einem Freund los zu den anderen Großeltern nach Franken, wo sie den Vater vermuten. Zusammen mit den jeweiligen Roadtrips des Vaters und des Journalisten Marco entsteht so ein buntes Panorama bayerischer Lebensmilieus.

Viele Charaktere gehören der jungen Generation an, die fleißig den bayerischen Dialekt verwendet und ihr Heimatgefühl auf ganz ungezwungene, individuelle Weise zum Ausdruck bringt. Typische Eigenschaften junger Menschen von heute, wie Geschäftssinn oder politisches Desinteresse, verteilen sich auf mehrere Figuren, die aber generell lustig drauf sind. Auch das alternative Milieu, das seine Wurzeln noch in der Flower-Power-Ära hat, lässt grüßen, wenn Eisi Gulp einen tiefenentspannten Kartoffelschnippler auf dem Lande spielt. Jungdynamisch und alternativ zugleich klingen die bayerisch-rockigen Songs, an denen nicht gespart wird. Der Film wirkt bewusst amateurhaft gemacht, denn der unbekümmerte Reigen der Ideen scheint wichtiger zu sein als ein straffer Spannungsbogen. Die Spielfreude der Darsteller und der flotte Inszenierungsstil aber sorgen für kurzweilige Unterhaltung mit hohem Heimatfaktor.

Fazit: Die bayerischen Geschwister Andreas und Tanja Schmidbauer haben eine flotte Heimatkomödie inszeniert, die zugleich ein jugendlich-unbeschwertes Roadmovie ist, und sie mit einer guten Prise Politsatire gewürzt. In der ideenreichen Geschichte treffen verschiedene Generationen und Mentalitäten aufeinander. So wird eine bunte Vielfalt bayerischer Lebensmilieus aufgefächert, die zusammen mit rockiger Musik und Witz für kurzweilige Unterhaltung sorgen.





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