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Kritik: Pushing Dead (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Pushing Dead" legt der Drehbuchautor und Regisseur Tom E. Brown sein Langfilmdebüt vor – ein Indie-Werk, das gekonnt zwischen Tragik und Komik pendelt. Die Geschichte handelt von verschiedenen Liebeskonzepten – von inniger, freundschaftlicher Liebe, von der Liebe zu einer Vaterfigur beziehungsweise zu einem Ersatzsohn, von der komplizierten Liebe zwischen Eheleuten, vom Flirt mit einer potenziellen neuen Liebe oder auch von der Zuneigung zu einem Spielzeugaffen. Auf den ersten Blick mag der Film wie eine der unzähligen Großstadt-Dramödien anmuten, doch Brown nutzt dieses Setting und dieses Personal, um von sehr aktuellen und relevanten Dingen zu erzählen.

So sieht sich der Protagonist Dan etwa den langsam und höchst absurd mahlenden Mühlen der Bürokratie ausgesetzt, nachdem seine Krankenversicherung die Kosten für seine Medikamente plötzlich nicht mehr übernimmt. Brown zeigt die Schwächen und den Irrwitz, vor allem aber die Inhumanität des US-Gesundheitssystems; obendrein fängt er den Alltag eines Menschen, der sich (schon vor langer Zeit) mit dem HI-Virus infiziert hat, äußerst treffend ein. "Pushing Dead" ist kein Sterbedrama, sondern ein Film über den täglichen Kampf ums Überleben – beziehungsweise für ein kleines bisschen Glück. Das Skript ist ganz eindeutig character-driven; zu den größten Stärken des Werks zählen deshalb die Dialoge. Gleichwohl beschränken sich Brown und sein Kameramann Frazer Bradshaw nicht auf das visuell recht reizlose Aufnehmen von cleveren Gesprächssituationen: Durch Traumpassagen sowie durch seltsam-surreale Momente sorgen sie auch für optisch interessante Szenen.

Zum Gelingen von "Pushing Dead" trägt nicht zuletzt das Ensemble bei, welches mühelos die tiefen Gefühle zwischen den sympathisch gezeichneten Charakteren beglaubigen kann. James Roday ("Psych") und Robin Weigert ("Deadwood") harmonieren wunderbar als platonisch liebendes Duo; ebenso sind die Interaktionen zwischen Roday und Danny Glover ("Lethal Weapon") überaus berührend. Der Nebenstrang um die Ehekrise zwischen dem von Glover gespielten Bar-Betreiber Bob und dessen Gattin Dot (verkörpert von der aus "CSI: Miami" bekannten Khandi Alexander) demonstriert indes die Bedeutsamkeit von Empathie, wenn es darum geht, das Herz eines Menschen (wieder) zu gewinnen.

Fazit: Eine anspruchsvolle, intelligente und zugleich witzige Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema; gut inszeniert und einnehmend gespielt.





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