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The 15:17 to Paris
The 15:17 to Paris
© Warner Bros.

Kritik: 15:17 to Paris (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Besondere an "The 15:17 to Paris" ist, dass Regisseur Clint Eastwood die echten Helden vom Thalys-Zug 9364 dazu bewegen konnte, sich selbst zu spielen. Und damit vor der Kamera die damaligen Ereignissen nochmals durchspielten. Eastwood, der in diesem Jahr 88 Jahre alt wird, hat seit langem ein Faible für patriotische Amerikaner, die alles riskieren, um Unschuldige zu retten. Das bewies er mit Filmen wie "American Sniper" oder dem Drama "Sully" mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Und auch in "The 15:17 to Paris" geht es um unbescholtene US-Bürger, die ungewollt und zufällig zu Helden werden. Das Budget des Films belief sich auf rund 30 Millionen Dollar.

Handwerklich und formal macht Clint Eastwood in seinem ersten Film seit "Sully" (2016) nicht viel falsch. Die Minuten und Szenen im Zug inszeniert er als packenden Spannungs-Thriller und bedient sich dabei eines eindringlichen, dokumentarischen Stils – inklusive Nahaufnahmen, Wackelkamera und eines damit einhergehenden hohen Realismus. Leider hält sich Eastwood nicht lange im Zug auf und kommt sehr schnell zu Sache. Zu schnell. Das führt dazu, dass insgesamt nur rund 20 Minuten der Handlung im Thalys-Zug 9364 angesiedelt sind.

Den inhaltlichen Schwerpunkt legt der Filmemacher auf die Vergangenheit der Helden. Ausgiebig blickt er dabei unter anderem in die prägenden Jahre der Drei zurück: Die Kindheit. Man sieht Spencer, Aleksander und Anthony – die schon seit Schulzeiten befreundet sind – an ihrer katholischen Bildungseinrichtung, beim Spielen mit Klassenkameraden und beim Bewältigen des Alltags im schwierigen familiären Umfeld - zwei der Drei wurden nur von der Mutter großgezogen. Besondere Freude bereitet es Eastwood, die ersten Schritte der Drei in der Army zu zeigen. Und wie sich in Spencer, Aleksander und Anthony allmählich eine leidenschaftliche Vaterlandsliebe entwickelt.

Militär, Waffen, Kriegseinsätze, starke Männer und mutige amerikanische Patrioten, die nichts mehr lieben als ihre Heimat. Spätestens seit "Heartbreak Ridge" (1986) sind all dies Lieblingsthemen von Eastwood. Leider wird das in "The 15:17 to Paris" wieder einmal mehr als deutlich, und als wäre das nicht schon genug, kommt noch eine ordentliche Portion Kitsch und Pathos mit dazu. Dies manifestiert sich zum Beispiel in den inhaltsbefreiten Worthülsen und abgedroschenen Phrasen zu Themen wie "Träume", "Angst" oder "Tapferkeit", die – natürlich – vor allem von Bediensteten des Militärs abgesondert werden. Eastwood hat sich zudem keinen Gefallen damit getan, die drei jungen Männer sich selbst spielen zu lassen. Ihre darstellerischen Fähigkeiten sind mehr als begrenzt und tragen bei weitem keinen Film.

Fazit: Handwerklich und formal macht Clint Eastwood mit seinem von dokumentarischem Realismus durchzogenen Drama "The 15:17 to Paris" nicht viel falsch. Der Film krankt vielmehr am mangelnden schauspielerischen Talent der Hauptdarsteller. Und an Eastwoods Hang zu überzogenem Patriotismus und seiner ausgewachsenen Leidenschaft für Waffen, tapfere Helden und das Militär, der er hier mehr denn je frönt.




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