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Zwei im falschen Film
Zwei im falschen Film
© farbfilm verleih

Kritik: Zwei im falschen Film (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Laura Lackmann, die mit "Mängelexemplar" (2016) – der äußerst gelungenen Adaption des gleichnamigen Romans von Sarah Kuttner – ihr Langfilmdebüt als Regisseurin und Drehbuchautorin vorlegte, liefert mit "Zwei im falschen Film" eine herrliche anti-romantische Komödie, die mit einer gehörigen Portion an trockenem Humor und Verschrobenheit, aber auch mit der nötigen Authentizität fernab von kitschiger Verklärung daherkommt.

Marc Hosemann ("Oh Boy", "4 Blocks") und Laura Tonke ("Baader", "Hedi Schneider steckt fest") sind als Hans und Laura (genannt "Heinz") ein Leinwandpaar, das perfekt miteinander (dis-)harmoniert. Wenn wir die beiden Figuren zu Beginn bei einer Kinovorstellung kennenlernen, wird rasch deutlich, dass Lackmann mit einem cleveren Meta-Humor arbeitet: Das Duo sieht sich einen Schmachtfetzen mit rührseliger Musik und abgeschmackten Happy-End-Bildern von einer trauten Zweisamkeit am Strand an – und die Hauptrollen in dem Film, den Hans und "Heinz" so abfällig kommentieren, werden ebenfalls von Hosemann und Tonke verkörpert. Auch an späteren Stellen blitzen diese einfallsreichen selbstreferenziellen Elemente auf und tragen zum Witz des Geschehens bei.

Das Skript bietet viele pointierte Dialoge, die sich mit dem Wesen der Liebe sowie mit der Funktionsweise von Beziehungen befassen. Wie viel Pragmatismus verträgt eine Partnerschaft? Wie wichtig ist Eifersucht? Wie erzeugt man Romantik und Leidenschaft – und wie zerstört man diese im Alltagstrott? Lackmann findet zudem mit ihrem Kameramann Friede Clausz etliche großartige Aufnahmen, um das Leben von Hans und "Heinz" zu präsentieren – etwa wenn die beiden im Schlabberlook auf der Couch herumhängen, von Knabberzeug umgeben sind und sich einem Videospiel widmen. Hinzu kommen schöne Beobachtungen und Details wie das uralte, kaum noch fahrtaugliche Auto der beiden, in welchem der Song "(I've Had) The Time of My Life" in Dauerschleife läuft.

Neben den liebevoll gezeichneten Hauptfiguren gibt es diverse Nebenparts, deren Gestaltung ebenso präzise ausfällt – darunter Hans' Eltern, die völlig andere Vorstellungen von der Liebe haben, und die Geschwister der beiden, die wiederum ihre ganz eigenen Beziehungsprobleme und Bewältigungsstrategien mitbringen.

Fazit: Ein wunderbar geschriebener und originell in Szene gesetzter Film über die Schwierigkeit, eine langjährige Liebesbeziehung zu führen – voller Hingabe gespielt von Laura Tonke und Marc Hosemann.




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