VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Er Sie Ich
Er Sie Ich
© Partisan Filmverleih

Kritik: Er Sie Ich (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für einen guten Film, egal ob Spiel- oder Dokumentarfilm, bedarf es nicht viel. Und doch kann man in der Beschränkung aus das Wenige alles falsch machen. Carlotta Kittel macht in "Er Sie Ich", ihrer Abschlussarbeit an der Filmuniversität Babelsberg, sehr vieles richtig und das, obwohl oder gerade weil sie dem doch ziemlich ausgetretenen Pfad folgt, den schon so viele junge Filmschaffende vor ihr beschritten haben: etwas Persönliches erzählen. Das wirkt oft beliebig und belanglos und nicht selten, wie aus der Not geboren.

Auch Kittels Biografie, besser gesagt die schwierige Beziehung ihrer Eltern, um die es im Konkreten geht, ist von außen betrachtet keinen Deut spannender als andere. Allein für deren Geschichte, die jeder so oder so ähnlich aus dem eigenen Bekanntenkreis kennt, bräuchte man kein Kinoticket lösen. Was die Regisseurin aus den Interviews mit ihren Eltern macht, wie sie sie arrangiert, Vater und Mutter mit den Aussagen des jeweils anderen und dabei auch mit ihrem alten Ich konfrontiert, ist jedoch äußerst sehenswert.

So simpel die Mittel, so groß der Effekt. Mehr als zwei Gesprächspartner, eine Kamera und einen Split-Screen braucht Carlotta Kittel nicht, um jede Menge über Liebe, Wahrnehmung, Erinnerung, vor allem aber Kommunikation zu erzählen. Obwohl die Eltern längst nicht mehr mit einander reden, entsteht durch die Montage auf der Leinwand ein Dialog, der nur anfangs versöhnlich scheint. Dass dieses Experiment eineinhalb Stunden dauert, glaubt man kaum, so lebhaft und anschaulich sind die Sätze, so faszinierend ist es dabei zuzusehen, wie die Wahrheit gebeugt und Erinnerung konstruiert wird, um mit der eigenen Vergangenheit im Reinen zu sein.

Fazit: "Er Sie Ich" ist ein mit einfachen Mitteln hergestellter Dokumentarfilm, der großen Effekt hat. Regisseurin Carlotta Kittel gelingt es, am Beispiel ihrer getrennt lebenden Eltern kluge Einsichten in die Dynamiken von Beziehungen und in die Mechanismen von Wahrnehmung, Erinnerung und Kommunikation zu geben.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.