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Ein Lied in Gottes Ohr
Ein Lied in Gottes Ohr
© Neue Visionen / EuropaCorp Chez Félix France 2 Cinéma. Photos: John Waxxx.

Kritik: Ein Lied in Gottes Ohr (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel." So begann Kurt Tucholsky 1919 seinen viel zitierten Essay "Was darf die Satire?" im Berliner Tageblatt. Fabrice Eboués "Ein Lied in Gottes Ohr" ist mehr Parodie, Klamotte und am Ende Wohlfühlfilm als bissige Satire. Die Witze sind eher platt denn gut. Weil er aber um ein Thema kreist, das immer schon politisch war und zu Beginn des 21. Jahrhunderts wie kaum ein anderes politisch ist, werden viele im Kinosessel übel nehmen.

Fabrice Eboué, der in Personalunion die männliche Hauptrolle, die Regie und das Drehbuch innehat, macht seine Sache ordentlich. Den idealistischen, stets etwas schluffigen Musikproduzenten Nicolas Lejeune beherrscht er aus dem Effeff. Das Skript führt Figuren und Fakten flott ein und folgt dann altvertrauten Pfaden. Die religiöse Boygroup wird gesucht und gefunden, bricht auseinander, rauft sich zusammen und triumphiert schließlich geläutert. Und auch Eboués Regie hat den einen oder anderen originellen Einfall, etwa zwei schöne Montagesequenzen, die ganz am Anfang die Suche nach einem geeigneten Priester und ganz am Schluss das Schicksal der Protagonisten komisch zusammenfügt.

Neben Eboué sind auch die Rollen des angeblichen Imams und des Rabbis gut besetzt. Ramzy Bedia gibt den Lebemann Moncef mit verschmitzter Souveränität. Jonathan Cohen switcht mühelos von der Depression zum Drogenrausch. Dass die Wahl für den katholischen Priester auf Guillaume de Tonquédec fiel, der oft den zugeknöpften Spießer spielt, ist nachvollziehbar. Doch Eboués Regie holt viel zu wenig aus de Tonquédec heraus. Auch Audrey Lamy wirkt lediglich routiniert. Ihre Rolle als unglückliche Assistentin Sabrina, die stets an die falschen Männer gerät, ist aber auch, selbst für eine nette anspruchslose Komödie, reichlich unterkomplex.

Kleine Kabbeleien der Religionsvertreter wechseln mit versöhnlichen Wohlfühlpop-Auftritten. Sabrinas Dauerlutscher-Konsum dient als Running Gag. Gelungene Miniaturen, etwa eine herrliche Parodie eines Gangster-Rap-Videos, peppen die Handlung zwischendurch immer wieder auf. Insgesamt plätschert "Ein Lied in Gottes Ohr" aber allzu gemächlich seinem Ende entgegen. Wer subtilen religiösen oder religionskritischen Humor erwartet, sitzt im falschen Film. Die meisten Gags gehen über die plumpen Klischees, die sie als solche entlarven wollen, nicht hinaus. Das mag tiefgläubigen Zuschauern immer noch provokant erscheinen, ist aber letztlich viel zu harmlos.

Fazit: Fabrice Eboués "Ein Lied in Gottes Ohr" ist eine gut besetzte, gut gespielte und vor allem gut gemeinte Komödie, die ihr Potenzial nie voll ausschöpft. Sie verlacht die Fanatiker und schlägt versöhnliche Töne zwischen den monotheistischen Weltreligionen an. Am Ende ist sie aber etwas zu viel harmloser Wohlfühlfilm mit platten Gags und zu wenig bissige Satire.




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