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Die Poesie der Liebe
Die Poesie der Liebe
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Kritik: Die Poesie der Liebe (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Die Poesie der Liebe" ist das filmische Regiedebüt des Franzosen Nicolas Bedos, der in seiner Heimat durch seine überwiegend humoristische Tätigkeit beim Theater, Radio und Fernsehen sowie als Autor seit vielen Jahren bekannt ist. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Doria Tillier hat er das Drehbuch verfasst; zudem übernahm das Duo die Hauptrollen. Das Ergebnis ist eine energische Beziehungschronik, der die Balance zwischen bissigem Witz, bitteren Momenten und einer klugen Milieustudie gelingt.

Das Werk fängt auf der Trauerfeier des "großen Schriftstellers" Victor Adelman an, ehe es durch die Schilderungen der Witwe Sarah zurück in die 1970er Jahre geht und damit eine (selbstverständlich subjektiv gefärbte) Aufarbeitung der beinahe ein halbes Jahrhundert andauernden Liebesbeziehung beginnt. Die in Kapitel unterteilte Darlegung widmet sich dem Kennenlernen, der Verliebtheit, dem plötzlichen schriftstellerischen Erfolg von Victor, der Elternschaft, den Krisen, der Trennung, der Rückkehr und dem Tod. Eine Diskrepanz zwischen voice-over und dem Gezeigten deutet bereits die Unzuverlässigkeit der Erzählung an, die in einem Epilog endgültig offenbart wird. Reizvoll ist der Film nicht zuletzt durch die Art, wie er beiläufig das Zeitgeschehen einfängt und wie er durch die gekonnte Kameraführung von Nicolas Bolduc und die elegante Montage von Anny Danché eine glaubwürdige Entwicklung der Figuren im Laufe der Dekaden erfasst. Zu verdanken ist dies auch der sorgfältigen Arbeit der Make-up-Abteilung, die den Alterungsprozess überzeugend umsetzt, und vor allem den facettenreichen Schauspiel-Leistungen von Tillier und Bedos. Tillier, die hier in ihrem ersten Leinwandauftritt zu erleben ist, vermittelt intensiv die Hartnäckigkeit von Sarah.

Zwischen amüsanten, gelegentlich auch makabren Passagen sowie romantischen Augenblicken schafft es "Die Poesie der Liebe", von den Verletzungen zu erzählen, die sich Menschen selbst und einander antun können – etwa durch (Selbst-)Ausbeutung, Untreue oder auch aus Angst oder Langeweile. Das Werk dekonstruiert die Idee eines literarischen Genies und der Frau "an dessen Seite" – und verfügt zugleich über Selbstironie.

Fazit: Eine hervorragend gefilmte und engagiert gespielte Chronik einer Liebe voller Schwung, Humor und Tragik.




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