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Kritik: Das Böse 2 (1988)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit seiner "Phantasm"-Reihe (so der Originaltitel von "Das Böse"), schuf der Italiener Don Coscarelli einen Meilenstein des Sci-Fi-Horrors. Besonders der erste Teil von 1979 erfreut sich bis heute einer riesigen Fangemeinde und überzeugte einst durch seine phantastischen Elemente und die für die damalige Zeit gelungenen Effekte. Lange Zeit befand sich der Film in Deutschland auf dem Index und wurde sogar beschlagnahmt. Aktuell existieren insgesamt fünf Teile, der letzte "Das Böse"-Film erschien vor zwei Jahren. "Das Böse 2", in der Mike erstmals von James Le Gros verkörpert wird, wurde 1988 veröffentlicht.

Viele Kritiker werfen diesem zweiten Film über den brutal mordenden Leichenbestatter vor, sich hemmungslos in Spezialeffekten zu ergehen und seine Geschichte darüber zu vernachlässigen. Damit haben sie nicht ganz unrecht, legt Coscarelli hier nämlich noch mehr Wert auf Ekel-Effekte, Körperhorror und Maske. Dass in Anbetracht dessen die erzählerische Ausgestaltung etwas auf der Strecke bleibt, ist aus zweierlei Gründen aber zu verschmerzen. Zum einen sind die Spezialeffekte noch besser und authentischer geraten als im Vorgänger (auch weil der zweite Teil der teuerste Film der Reihe ist). Und zum zweiten lenkt die Reduzierung des Inhalts – der sich mehr denn je auf die Verfolgung des "Tall Man" beschränkt – von der ohnehin etwas konfusen und makabren Handlung ab.

Zugute halten muss man Coscarelli, dass der Humor-Anteil deutlich gestiegen ist, ebenso wie die Selbstironie. Der Film und die Figuren nehmen sich selbst nicht mehr so ernst, was in Anbetracht des teils hemmungslosen und sinnfreien Gemetzels auch gut ist. Und: "Das Böse 2" ist blutiger als der Erstling, der Gore-Anteil ist höher. So werden z.B. Ohren abgetrennt und Münder zugenäht. Am besten fährt man bei der Betrachtung der "Phantasm"-Reihe ohnehin, wenn man die Teile als trashigen, bewusst überzogenen und wahnwitzigen Mix aus Action, Psychothriller, Bodyhorror und Sci-Fi ansieht, der den B-Movies der 60er- und 70er-Jahre huldigt.

Denn auch "Das Böse 2" ist wieder eine mit teuflisch guten, kultigen Elementen und Ideen (etwa die silberne, fliegende Mehrzweckkugel) angereicherte Genre-Mischung, deren schwarzhumorige Schlusspointe noch immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Fazit: Ohne Frage muss man ein bei der "Phantasm"-Reihe ein Faible für blutigen, abseitigen und mit phantastischen Elementen angereicherten Horror-Trash haben. Wer dies allerdings mitbringt, erlebt 90 völlig durchgedrehte und effektreiche Minuten, die köstlich unterhalten.




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