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Kritik: Gutland (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem Langfilm-Regiedebüt "Gutland" legt der 1983 in Luxemburg geborene Govinda Van Maele einen faszinierenden Mix aus ländlichem Neo-Noir und surreal anmutendem Charakterdrama vor. Was vergleichsweise konventionell beginnt, nimmt im Laufe der Handlung immer rätselhaftere und bedrohlichere Züge an und mündet in einen Schlussakt, der alles Gezeigte infrage stellt. Van Maeles Werk ist fraglos sperrig, dabei aber auch ungemein einnehmend.

Dies liegt zum einen an den Bildern, die der Regisseur zusammen mit seinem Kameramann (und Bruder) Narayan Van Maele findet, um den angenehm unverbrauchten Schauplatz der Erzählung einzufangen: Die Wiesen und Äcker, Maisfelder und Wäldchen haben etwas Idyllisches – und doch glaubt man sofort, dass in dem kleinen Dorf in der titelgebenden, luxemburgischen Gegend Gutland dunkle Geheimnisse auf den Protagonisten Jens warten. Neben den Landschaftsaufnahmen sind ebenso die Momente eindrücklich, in denen die provinzielle Gemeinschaft in Szene gesetzt wird – sei es bei der harten Arbeit im Freien oder beim gemeinsamen Feiern und Musizieren. Präzise wird hierbei erfasst, wie Jens als anfänglicher Außenseiter in die Gruppe integriert wird – was durchaus auch etwas Schauriges, Unwiderruflich-Bindendes an sich hat.

Zum anderen funktioniert "Gutland" aufgrund der schauspielerischen Leistungen so gut. Frederick Lau ("Victoria", "Simpel") verleiht dem kriminellen Neuankömmling die richtige Mischung aus Zurückhaltung und Paranoia und macht die allmähliche Veränderung der Figur in seiner Mimik und Gestik deutlich; Vicky Krieps ("Das Zimmermädchen Lynn", "Der seidene Faden") ist indes als Bürgermeistertochter Lucy eine klischeefreie und herrlich renitente Femme fatale, in deren Jugendzimmer zwar Poster vom jungen Johnny Depp sowie von Patrick Swayze und Luke Perry hängen – die jedoch keineswegs eine verträumte Romantikerin ist, die von Jens gerettet werden muss.

Fazit: Ein äußerst interessanter, gekonnt gefilmter Heimat-Neo-Noir mit spannungsreichem Helden und wundersamen Momenten; in den Hauptrollen überzeugend gespielt.




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