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Smetto Quando Voglio - Masterclass
Smetto Quando Voglio - Masterclass
© missingFilms

Kritik: Morgen Ist Schluss - Masterclass (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem Langfilmdebüt "Smetto quando voglio" landete Regisseur Sydney Sibilia 2014 einen Überraschungserfolg. Die Gaunerkomödie um ehemalige Professoren, die zu Drogendealern werden, spielte 4,5 Millionen Euro ein und war für Italiens höchsten Filmpreis, den David di Donatello, gleich zwölfmal nominiert. Im Februar und November 2017 folgten zwei Fortsetzungen. Als "Morgen ist Schluss – Der Anfang", "Morgen ist Schluss – Masterclass" und "Morgen ist Schluss – Ad honorem" kommt die Trilogie nun an einem gemeinsamen Starttermin in die deutschen Kinos.

Sydney Sibilia macht aus seinen Vorbildern keinen Hehl. Die von Kameramann Vladan Radovic stets leicht überbelichteten, mit einem Grün- und Gelbstich versehenen Aufnahmen, der rockige bis poppige Soundtrack, die verschachtelte Erzählweise – all das ist eine Verneigung vor Größen wie Quentin Tarantino, Guy Ritchie oder Danny Boyle. Die inhaltliche Ausgangslage der drei Filme weckt wiederum Erinnerungen an Erfolgserien wie "Breaking Bad" und "Prison Break" oder an die Hochglanz-Heist-Movies eines Steven Soderbergh – von "Out of Sight" (1998) über die "Ocean's"-Reihe (2001-2007) bis zu "Logan Lucky" (2017). Aller Reminiszenzen zum Trotz setzt Sibilia aber einen ganz eigenen Ton, weil er auf Lokalkolorit und Zeitgeist setzt.

Seine Ganovenmär nicht irgendwo in der Unterwelt, sondern im topausgebildeten universitären Umfeld anzusiedeln, ist ein gelungener Schachzug. Damit bildet die Geschichte nicht nur bewusst ein Gegengewicht zu düsteren Mafiageschichten wie "Gomorrah", sondern greift die Krise des italienischen Mittelstands mit einem Augenzwinkern auf. Wie sich der der Hauptfigur Pietro Zinni (Edoardo Leo) vorgesetzte Professor (Sergio Solli) an einer maroden Universität dreist selbst bereichert, während seine wissenschaftlichen Mitarbeiter am Hungertuch nagen und mehr für seine Kontakte auf Social-Media-Plattformen denn für die akademische Arbeit interessiert, ist eine der vielen reichlich zugespitzten, aber köstlichen Pointen.

Die Mischung aus treffender Alltagsbeobachtung und schriller Überzeichnung hat bei Sibilia Methode. Auch Pietros Verbündete folgen diesem Muster. Sie sind allesamt Koryphäen ihres Fachs, haben Ticks, Spleens und Neurosen und verdingen sich in für sie ungewohnten Berufsfeldern. Da ist der Chemiker Alberto (Stefano Fresi), der als Tellerwäscher und der Archäologen Arturo (Paolo Calabresi), der auf Baustellen arbeitet. Es gibt die Latinisten Mattia (Valerio Aprea) und Giorgio (Lorenzo Lavia), die als Tankwarte jobben, während sie sich über den richtigen Kasus streiten. Und während der Volkswirt Bartolomeo (Libero De Rienzo) sein Glück beim Pokerspiel versucht, hat der Anthropologe Andrea (Pietro Sermonti) nicht einmal bei der Stellensuche auf dem Schrottplatz Glück, weil ihn sein potenzieller Arbeitgeber trotz Verkleidung und Verstellung sofort als Akademiker entlarvt.

Sibilias Drehbücher sind voll von solchen Einfällen, aber nicht durchweg rund. Im ersten Teil, den der Regisseur gemeinsam mit Alerio Attanasio und Andrea Garello geschrieben hat, ist die Handlung ziemlich sprunghaft. Vor allem Hauptfigur Pietro entwickelt sich arg schnell vom brav-biederen Speichellecker zum Drogen dealenden Draufgänger. Teil zwei und drei, für die Francesca Manieri und Luigi Di Capua als Koautoren fungierten, vernachlässigen die Figuren auf Kosten der Spannung etwas zu sehr. Die allen Teilen gemeinsame erzählerische Zweiteilung funktioniert in "Morgen ist Schluss – Masterclass" besonders gut. Im dritten und letzten Film "Morgen ist Schluss – Ad honorem" fällt die zweite Hälfte hingegen spürbar ab. Wahrlich meisterhaft ist wiederum, wie die Bücher die Handlungen der drei Filme nahtlos miteinander verweben.

Auch wenn nicht alle Teile durchweg gelungen, manche stärker, andere schwächer sind, ist das alles ziemlich unterhaltsam. Das liegt zu großen Teilen am perfekt zusammengestellten und wunderbar eingespielten Cast. Die absurden Situationen und Gespräche, in die das Skript die Figuren verwickelt, sind abseits präziser sprachlicher Pointen vor allem schauspielerische Höhepunkte. So richtig böse kann man keiner der charmant-verschrobenen und bei aller Überdrehtheit stets geerdeten Figuren sein. Auch das ist eine große Qualität der Trilogie: dass sie nie die Bodenhaftung verliert. Hier herrschen aller Anspielungen zum Trotz, was Action, Gewalt und Humor anbelangt, eben immer noch italienische Verhältnisse.

Fazit: Sydney Sibilias Überraschungshit "Morgen ist Schluss", der zwei Fortsetzungen nach sich zog, kommt in Deutschland gleich auf einen Schlag in die Kinos. Die launig-überdrehten Ganovenkomödien ziehen ihren Hut vor großen Vorbildern, setzten dabei aber einen ganz eigenen Ton. Die Qualität der einzelnen Teile mag variieren, kurzweilig, unterhaltsam und gut gespielt ist das in der Gesamtschau aber allemal.




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