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Time Trial
Time Trial
© mindjazz pictures

Kritik: Time Trial - Die letzten Rennen des David Millar (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der schottische Regisseur Finlay Pretsell, der selbst Erfahrung im Radrennsport besitzt, hat seinen ersten langen Dokumentarfilm seinem Landsmann, dem erfolgreichen Radrennfahrer David Millar gewidmet. Die Meilensteine von Millars fast zwei volle Jahrzehnte umspannenden Profikarriere, vor allem bei der Tour de France, werden nur gestreift. Im Mittelpunkt stehen die letzten Qualifikationsrennen, die Millar 2014 für die Tour de France läuft und bei denen sein für einen Profisportler reifes Alter von 37 Jahren seinen Tribut fordert. So huldigt der Film mit spektakulären Aufnahmen, die den Geschwindigkeitsrausch und die Strapazen der Radrennen einfangen, diesem Sport und dem Kampfgeist eines Mannes, der ihm bis zum Ende seiner Karriere mit Haut und Haar verfallen ist.

In Voice-Over verrät Millar viel von den Dramen, die sich in seinem Inneren abspielen. Er fühle sich in den Bergen nicht frei, sie seien so schwer zu überwinden, sagt er einmal. Er erzählt aber auch von der Energie, die er spürte, wenn er der Gruppe vorausfuhr und das Gefühl hatte, die Strecke gehöre ihm allein. Diesmal aber bleibt er bei einem Anstieg zurück und hadert mit sich selbst: "Ich bin nicht gut genug!" Später, im Regen, versucht er vergeblich, sich im Fahren neue Handschuhe anzuziehen – seine eigenen wurden geklaut. David macht sich Mut, sagt sich, dass er besser sei als die anderen. Ab und zu spricht er auch vor neutralem Hintergrund in die Kamera – wobei er sich kategorisch weigert, zum Thema Doping Stellung zu beziehen: Er habe das schon zu oft in seinem Leben getan.

So kommt der Film dem Menschen Millar nur bedingt nahe, während er den Sportler in Aktion praktisch auf Tuchfühlung begleitet. Die Aufnahmen vermitteln die Dynamik dieses Sports sehr eindringlich. Onboard-Kameras blicken Millar beim Fahren ins angespannte Gesicht, man hört seinen schweren Atem, sieht den Regen von seinem Helm tropfen. Zeitlupen-Aufnahmen, verwischte Aufnahmen, rasante Abfahrten stimmen das Publikum auf die Bewegung, die Anstrengung, den tagelangen Ausnahmezustand ein, den die Radrennsportler beispielsweise auf den alpinen Serpentinenstrecken erleben. Der Score von Dan Deacon passt sich dem Abenteuer kongenial an, vermittelt Spannung und Nervenkitzel, ohne aufdringlich zu wirken. Pretsell gelingt das Porträt eines alternden Kämpfers, dem der Abschied vom Leistungssport sehr schwerfällt.

Fazit: Der schottische Dokumentarfilmer Finlay Pretsell porträtiert seinen Landsmann, den Radrennfahrer David Millar, am Ende seiner Profilaufbahn. Er begleitet ihn während der Rennen, auf denen er sich ein letztes Mal für die Tour de France qualifizieren will. Die dynamischen Aufnahmen unterwegs und die Voice-Over-Kommentare Millars vermitteln auf eindringliche Weise den Reiz, aber auch die Gefahren und vor allem die Strapazen dieses Sports. Man fiebert mit, wenn Millar seine schwindenden Kräfte mit ungebrochenem Kampfgeist kompensieren will.




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