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Vollblüter
Vollblüter
© Universal Pictures International

Kritik: Vollblüter (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Vollblüter" legt Cory Finley sein Spielfilmdebüt als Regisseur und Drehbuchautor vor. Er erzählt darin von zwei gegensätzlichen Highschool-Schülerinnen, die einst Freundinnen waren und sich nun auf ungewöhnliche Weise wieder näher kommen. Dabei setzt Finley in erster Linie auf Dialoge: Die Protagonistinnen Amanda und Lily diskutieren miteinander über Gefühle (beziehungsweise darüber, keine zu haben) sowie über Moral und die Möglichkeit, einen Mord ohne Konsequenzen zu begehen. Finleys Vorbild – der britische Stückeschreiber Harold Pinter – ist in diesen Wortwechseln deutlich erkennbar: Wie bei Pinter entbergen sich auch in "Vollblüter" die Abgründe der Figuren in den verbalen Duellen.

Dass Finleys Adoleszenz-Thriller ursprünglich für die Bühne entwickelt wurde, ist in der Inszenierung zu spüren – dennoch gelingt es dem Regisseur, dem Ganzen niemals die Anmutung von abgefilmtem Theater zu geben. Die Kameraarbeit von Lyle Vincent ist sowohl in ihren Bewegungen als auch in ihrer Anordnung der Personen und Requisiten bemerkenswert; jedem Bild wohnt eine gewisse Spannung inne. Ebenso sorgt die originelle Tongestaltung für ein konstantes Unbehagen.

Nicht gänzlich überzeugen kann indes die Figurenzeichnung. Amanda und Lily treten betont undurchschaubar auf – und bleiben dadurch bis zuletzt recht künstlich. Da sich das Skript und dessen Umsetzung bei aller Zuspitzung nicht in die satirischen Gefilde von "Heathers" (1988) oder in die Extreme der Geschichten von Bret Easton Ellis ("American Psycho", "Die Regeln des Spiels") begeben, sorgt diese artifizielle Darstellung der Protagonistinnen dafür, dass man beim Zuschauen ähnlich gleichgültig auf das Geschehen reagiert wie die gefühlskalte Amanda.

Den jungen Cast-Mitgliedern lässt sich hingegen kaum ein Vorwurf machen. Olivia Cooke ("Ready Player One") stattet Amanda mit einer provozierenden Trägheit aus; Anya Taylor-Joy ("Split") ist ein ebenbürtiges Gegenüber. Anrührend ist wiederum der 2016 im Alter von 27 Jahren verstorbene Anton Yelchin ("Green Room") als Drogendealer, den die beiden Rich Kids als Werkzeug für ihren mörderischen Plan benutzten wollen.

Fazit: Eine elegant gefilmte Coming-of-Age-Story mit ausgefeilten Dialogen und gutem Ensemble, die ihr Publikum jedoch auf Distanz hält.




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