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Sprechstunde
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© Die FILMAgentinnen © Spuren-Pfade-Filme

Kritik: Sprechstunde (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Sprechstunde" ist der vierte Film des in Paris und Salzburg lebenden Regisseurs Bernhard Braunstein. Der 38-Jährige arbeitet neben seiner Tätigkeit als Filmemacher auch als Cutter und Kameramann. Sein Ziel war es, einen Film über einen Ort zu machen, an dem soziale und kulturelle Grenzen aufgelöst werden. Dafür tauchte er für einige Zeit mit seiner Kamera mitten in den Mikrokosmos des Atelier de Conversation des Centre Georges-Pompidou ein. Das Centre Pompidou ist ein staatliches Kunst- und Kulturzentrum und wurde Ende der 70er-Jahre auf Initiative des früheren Präsidenten Georges Pompidou eröffnet. Dieser hatte den Bau in Auftrag gegeben, war bei der Eröffnung aber nicht mehr im Amt.

"Sprechstunde" lebt von der Unterschiedlichkeit seiner Protagonisten, die Braunstein ganz unmittelbar und ungefiltert einfängt. Die Teilnehmer der "Sprechstunden" könnten dabei verschiedener nicht sein, diese kulturelle und ethnische Vielfalt macht den Film aber sehr bunt und abwechslungsreich. Manche Teilnehmer stammen aus Asien, einige aus südamerikanischen Ländern wie Bolivien, aus Europa oder Afrika. Ebenso facettenreich sind freilich auch die persönlichen Geschichten der Menschen. Und damit die Beweggründe, wieso sie ihren Weg nach Frankreich fanden. Und dennoch eint sie alle der Wunsch, die französische Sprache zu beherrschen: die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in dem Land.

Darüber hinaus tut es dem Film sehr gut, dass sich die Protagonisten so offen und freimütig vor der Kamera geben – und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. So kommen z.B. einer der Beteiligten die Tränen, als sie darüber spricht, wie sehr sie ihre Familie vermisst. Und sie schämt sich ihrer Gefühle nicht, was der Situation eine große Ehrlich- und Wahrhaftigkeit verleiht. "Sprechstunde" steckt voller solcher authentischer und ungekünstelter Momente. Etwa auch wenn ein anderer Teilnehmer von seiner Zeit im Gefängnis berichtet.

Unterhaltsam und heiter wird es, wenn die Gruppe zu mannigfaltigen, in die Runde geworfenen Themen diskutiert und jeder seine Ansichten äußern darf. So z.B. zur Frage, ob es Berufe gibt, die nur explizit für Männer oder für Frauen ausgelegt sind und was überhaupt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind. Darüber hinaus werden wichtige Fragen zu den Themen "Heimat" und "Identität" ausgiebig erörtert.

Fazit: Ehrlicher, lebensnaher und stellenweise ungemein unterhaltsamer Film über eine Gruppe von Menschen, die ihre Heimat hinter sich gelassen hat und vor einem Neuanfang steht.




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